Studie

Ausbau der Windenergie gerät ins Stocken

Die Potenziale der Windenergie ließen sich sowohl an Land als auch auf See deutlich besser als derzeit nutzen, so eine neue Studie. Erst die Beseitigung diverser rechtlicher und organisatorischer Hindernisse brächte wieder Rückenwind für die klimafreundliche Technologie.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Dessau (red) - Der Ausbau der klimafreundlichen Windenergienutzung an Land und auf See kann nur gelingen, falls sich die rechtlichen und organisatorischen Bedingungen deutlich verbessern - dies ergab das Forschungsprojekt "Umweltstrategie zur Windenergienutzung an Land und auf See" im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

Trotz weiterhin verfügbarer Potenziale gerät der Ausbau der Windenergie an Land ins Stocken. Auch auf See kommt die Windenergienutzung nur schleppend in Gang. Vor allem das so genannte Repowering - der Ersatz vieler Altanlagen durch wenige moderne Windräder mit höherer Leistung - kann seine Vorteile, die Umweltbelastung der Windenergienutzung insgesamt deutlich zu verringern, bislang nicht ausspielen. Auf See behindern wirtschaftliche Hemmnisse und ein komplexes Zulassungsverfahren den Ausbaubeginn.

"Bund und Länder sind aufgefordert, die Hemmnisse an Land und auf See zu beseitigen, um mit Repowering und der Windenergienutzung auf See ernsthaft zu beginnen", meint Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes. Derzeit hat die Windenergie einen Anteil von zirka fünf Prozent an der Stromerzeugung. Fachleute gehen davon aus, dass bei gleichzeitiger Steigerung der Effizienz der Stromerzeugung und -nutzung bis zum Jahr 2020 die Windenergie einen Anteil von über 14 Prozent, langfristig sogar von über 35 Prozent an der Stromerzeugung erreichen kann.

Für eine nachhaltige Entwicklung im Energiesektor müsse neben der Energieeffizienz und dem Ausbau anderer Sparten der erneuerbaren Energien (zum Beispiel Biomasse) auch die Windenergienutzung weiter vorangetrieben werden. Neben ihren offensichtlichen Umweltvorteilen im Vergleich zur Atomkraft oder zu fossilen Energieträgern trägt diese Energiequelle bereits jetzt zur Versorgungssicherheit bei, weil weniger Gas und Steinkohle importiert werden müssen.

Seit Beginn der Neunziger Jahre sind die Stromentstehungskosten aus Windkraft um etwa 60 Prozent gesunken. Das UBA erwartet, dass die Windenergienutzung an Land bis zum Jahr 2020 keiner Förderung mehr bedarf, weil sie dann mit dem Strom aus konventionellen Kraftwerken am Markt konkurrieren kann.

Um den umweltverträglichen Ausbau der Windenergienutzung weiter zu beschleunigen, schlägt das UBA vor, die Zahl der oft verstreut stehenden, alten Anlagen im Zuge des so genannten Repowering zu reduzieren. Mit einer sorgfältigen Auswahl der neuen Standorte könnten frühere Fehlentwicklungen korrigiert werden.

Die Windenergienutzung auf See leidet neben den nach wie vor bestehenden wirtschaftlichen Hemmnissen auch unter den komplexen Genehmigungserfordernissen: Für die Genehmigung einer Kabeltrasse sind je nach Bundesland fünf bis sieben Genehmigungen bei den Ländern und beim Bund einzuholen.