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Aufwind für bayerische Windenergie-Diaspora

In dieser Rangliste rangiert der erfolgsverwöhnte Freistaat fast ganz hinten: Nur 0,8 Prozent beträgt derzeit der Anteil der Windenergie an der Stromproduktion in Bayern - von den Flächenländern hat nur Baden-Württemberg einen ähnlich niedrigen Wert. Das soll sich nun ändern.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

München (dapd/red) - Nach dem Willen von Umweltminister Markus Söder (CSU) soll der Anteil auf mehr als drei Prozent steigen: "Dazu sollen mindestens 600 neue Windanlagen errichtet werden", sagt der Minister. Doch dazu werden die bayerischen Bauern gebraucht, die in der Regel die Grundstücke besitzen, auf denen Windräder gebaut werden können.

"Wir setzen auf die Bauern", sagt daher auch Günter Beermann vom bayerischen Landesbüro des Bundesverbandes Windenergie (BWE). Die Landwirte haben bereits beim Photovoltaikboom in Bayern eine Vorreiterrolle gespielt. Jetzt berichtet der Bayerische Bauernverband (BBV) auch in Oberbayern - bisher die Diaspora in Sachen Windenergie - von vollen Sälen bei Informationsveranstaltungen zur Windkraft.

Hohe Hürden

Doch es türmen sich Hindernisse auf: Dauern doch die Genehmigungsverfahren auch ohne Klagen von Anwohnern bis zu zwei Jahre. 600 Meter Abstand zur Wohnbebauung müssen mindestens herrschen, um einen Schattenwurf der großen Rotorblätter auszuschließen. Als Investitionshindernis erweist sich in Bayern auch die Bundeswehr. Besonders im südlichen Bayern verhindere sie die Aufstellung von Windrädern, erzählt Beermann. Mal ist es der Radar, der durch an ein Windrad gestört wird, mal können die Düsenjäger ihre Tiefflugstrecke nicht voll ausnutzen, weil ein Windrad mit moderner Technik etwa 140 Meter hoch in den Himmel ragt.

Die Gesamtkosten in Höhe von rund vier Millionen Euro für eine Zwei-Megawatt-Anlage - ein einziges großes Windrad - schrecken sogar finanziell potente Landwirte ab. Doch die Rechnung könnte dennoch aufgehen: Die Anlage erzeugt jährlich etwa 3,7 Millionen Kilowattstunden Strom, der 2010 mit 9,1 Cent pro Kilowattstunde ins Netz des Strombetreibers eingespeist werden kann. "Mit einer jährlichen Einnahme von rund 335.000 Euro, abzüglich aller sonstigen Kosten, macht sich das Windrad in 14 bis 16 Jahren bezahlt", erläutert Veit Hartsperger, der zuständige Berater des BBV.

Landwirte initiieren Bürger-Windräder

Hartsperger rät den interessierten Landwirten zu Bürgeranlagen, damit sich der einzelne Bauer finanziell nicht übernimmt. Johann Drexl, Landwirt in Hattenhofen im Landkreis Fürstenfeldbruck, plant ein Windrad mit den Bürgern am Ort. "Wir wollen auch Nichtbauern mitnehmen", sagt Drexl und will Anteilseigner, die 5.000 bis 10.000 Euro investieren wollen, beteiligen. Der Hintergedanke dabei: Wer investiert, wird kaum gegen die Anlage opponieren. Es wäre das erste große Windrad in diesem dicht besiedelten Landkreis. Überhaupt muss man die Windräder in Oberbayern mit der Lupe suchen. Der Schwerpunkt der Windenergieerzeugung liegt in Bayern in Franken, vor allem im nordöstlichen Oberfranken bei Hof und in der Oberpfalz.

Neben der Besiedlungsdichte spielt in Oberbayern natürlich auch der nur vergleichsweise spärlich wehende Wind, speziell im Alpenvorland, eine große Rolle. Um das Windrad herum sollte möglichst kilometerweit eine große ebene Fläche ohne Wald dem Wind keine Widerstandsfläche bieten. Der sollte mindestens mit 5,5 Metern pro Sekunde wehen, um einen akzeptablen Stromertrag zu liefern. Bei 7,5 Metern pro Sekunde steigert sich der Ertrag gegenüber 5,5 gleich um hundert Prozent. Weht der Wind durchschnittlich kräftiger wie in Niedersachsen oder Brandenburg, den führenden Windkraft Regionen in Deutschland, sind auch windstille Tage leicht zu verkraften.

Beispiel Allianz-Arena

Auch die Höhe bringt mehr Energie. "Pro Meter steigert sich der Ertrag um 0,7 Prozent", teilt Hartsperger den Rat suchenden Bauern mit. Zurzeit überprüft er etwa 200 Standorte. "Bis zu 75 Prozent davon sind ungeeignet", sagt er und muss den Landwirten von einem Windrad abraten. Moderne Windräder können mit mehr Effizienz fehlenden Wind jedoch auch kompensieren. So hat Beermann für das berühmte Windrad am Münchner Müllberg, in unmittelbarer Nachbarschaft der Allianz Arena, ausgerechnet, dass diese 1999 aufgestellte Anlage mit heutiger Technik den doppelten Stromertrag liefern würde.