Potenzial von 5,5 Prozent des Wärmebedarfs im Ländle

Aufbruchstimmung in der Geothermie-Branche

In Stuttgart fand dieser Tage ein Kongress zum Thema "Erdwärmenutzung in Baden-Württemberg" statt. Planer, Bohrunternehmer, Geologen und Handwerker sind ob der wirtschaftlichen Aussichten erfreut, da Erdwärme ein unerschöpflicher Energielieferant zu sein scheint.

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Stuttgart (red) - Im Haus der Wirtschaft in Stuttgart wurde am Mittwoch vergangener Woche ein vom Umwelt- sowie vom Wirtschaftsministerium gemeinsam initiierter Kongress zum Thema Erdwärmenutzung veranstaltet. Über 400 Teilnehmer aus der Branche trafen sich, um Informationen auszutauschen und um gemeinsam die Weichen für die Erschließung der Erdwärme in Baden-Württemberg zu stellen.

Die in der Branche herrschende Aufbruchstimmung war unter den zahlreichen Planern, Bohrunternehmen, Geologen und Handwerksbetrieben zu spüren. Parallel zu hochkarätigen Referaten konnten die Besucher sich bei 25 Ausstellern umfassend informieren. Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Horst Mehrländer zeigte sich ob der positiven Resonanz zufrieden: "Die zahlreichen Kongressteilnehmer konnten sicher viele vertiefende Erkenntnisse gewinnen und wir hoffen, dass schon bald konkrete neue Geothermieprojekte folgen".

"Die Geothermie, das heißt die unterhalb der Erdoberfläche gespeicherte Erdwärme, ist hervorragend geeignet, in Zukunft einen ansehnlichen Beitrag zu unserer Energieversorgung zu leisten", sagte Umweltministerin Tanja Gönner. Die oberflächennahe Geothermie stelle eine unerschöpfliche, hocheffiziente und umweltfreundliche Energiequelle dar und sei in weiten Teilen des Landes verfügbar. Vor allem in der privaten Nutzung biete diese innovative Energienutzung zudem Unabhängigkeit vom Öl- und Gasmarkt, dessen Preise sich mittelfristig kaum zu Gunsten der Käufer entwickeln würden.

Nach Darstellung der Umweltministerin haben die zur Nutzung der oberflächennahen Geothermie notwendigen Erdwärmesonden und Wärmepumpanlagen inzwischen die technische Einsatzreife erreicht. In Österreich und in der Schweiz hat sich die Nutzung der oberflächennahen Geothermie weitgehend durchgesetzt, während in Deutschland erst relativ wenige Erdwärmesonden in Betrieb sind. Mit einer Kilowattstunde Strom für die Wärmesonde können bis zu vier Kilowattstunden Wärme bereitgestellt werden, da die Wärme nicht erst erzeugt werden muss, sondern nur aus der Tiefe angehoben wird.

Das technische Potenzial der oberflächennahen Geothermie in Baden-Württemberg wird auf rund vier Milliarden Kilowattstunden Wärmeenergie pro Jahr geschätzt. Dies entspricht rund 5,5 Prozent des Wärmebedarfs aller Haushalte in Baden-Württemberg oder - anders ausgedrückt - einer jährlichen Einsparung von 450 Millionen Liter Heizöl. Damit können mehr als 900.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.