"Strom zu billig"

Auch Vattenfall stimmt Bevölkerung auf weiter steigende Strompreise ein

E.ON-Chef Bernotat hat mit seiner Äußerung, dass Strom eigentlich zu billig sei, eine Welle der Empörung ausgelöst. Gleichzeitig stimmte er die Bevölkerung auf weitere Preisanhebungen ein. Auch nach Einschätzung von RWE und Vattenfall könnten die Preise auf lange Sicht nach oben gehen.

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Hamburg/Wiesbaden (ddp/sm) - "Langfristig werden die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben oder auch weiter steigen", sagte Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner. Der Nettostrompreis liege heute zwar unter dem Niveau von 1998. "Der Effekt kommt beim Verbraucher aber nicht an, weil die Steuerabgaben so gestiegen sind", fügte er hinzu. Während der Steueranteil am Strompreis 1998 noch bei 25 Prozent gelegen habe, gingen heute 40 Prozent an den Fiskus. Hinzu kämen die Preissteigerungen auf dem Weltmarkt. Auch ein RWE-Sprecher wies auf die steigenden Kosten für die Energiekonzerne hin.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) appellierte für mehr Wettbewerb in der Energiebranche. Man müsse auch an die Leute denken, die keine so große Kaufkraft hätten, sagte er.

Auch sein hessischer Kollege Alois Rhiel (CDU) plädierte für mehr Konkurrenz im Energiemarkt. "Derzeit besitzen vier Energiekonzerne 80 Prozent aller deutschen Kraftwerke und machen sich untereinander keinen Wettbewerb", sagte er. Das Bundeskartellamt müsse die Möglichkeit bekommen, die großen Anbieter dazu zu zwingen, Kraftwerke an Konkurrenten zu verkaufen - etwa an Stadtwerke oder neue Anbieter. Rhiel hatte bereits am Freitag dem E.ON-Boss widersprochen: "Strom ist nicht zu billig, sondern zu teuer."

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) bezeichnete Bernotats Aussagen als "eine ungeheuerliche Provokation der Verbraucher". Die deutschen Strompreise lägen im internationalen Vergleich im oberen Drittel und müssten mittelfristig vielmehr gesenkt werden - auch im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, so Haseloff in der Mitteldeutschen Zeitung. "Die Ankündigung des Eon-Chefs kann nicht einfach hingenommen werden", so der Minister.