Investoren gesucht

Auch Vattenfall Europe will Stromnetz verkaufen (Upd.)

Nach dem Branchenprimus E.ON will nun auch Vattenfall sein Stromübertragungsnetz verkaufen. In den kommenden Tagen würden potenzielle Investoren für den Betreiber Vattenfall Europe Transmission GmbH angesprochen, teilte das Unternehmen am Freitag in Berlin mit. Nach Prüfung aller Optionen halte man einen Netzverkauf für eine sinnvolle Lösung.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Hintergrund dieser Entscheidung sei die seit Monaten andauernde politische Debatte über die eigentumsrechtliche Entflechtung der Höchstspannungsnetze von den Stromerzeugern.

"Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv alle Optionen geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Verkauf unseres Höchstspannungsnetzes an einen seriösen und finanzstarken Investor eine sinnvolle Lösung sein könnte", sagte der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka. Der Verkauf soll bereits in der ersten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein.

Potenzielle Investoren können auf Basis eines vertraulichen Informationspaketes ein indikatives Angebot abgeben, teilte Vattenfall weiter mit. Danach sei beabsichtigt, einer kleineren Anzahl von Bietern die Prüfung detaillierter Unterlagen über die Vattenfall Europe Transmission GmbH zu gewähren, so dass sie ein bindendes Angebot abgeben können. Falls es zu einem Verkauf komme, solle der Verkaufsprozess spätestens in der ersten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein.

RWE und EnBW folgen nicht dem E.ON-Vorstoß

Bereits Ende Februar hatte Branchenprimus E.ON überraschend angekündigt, sein rund 10.000 Kilometer langes Übertragungsnetz verkaufen zu wollen. Auf diese Weise will der Düsseldorfer Konzern eine befürchtete Milliardenstrafe wegen Verstößen gegen Wettbewerbsrecht durch die EU umgehen. Endgültig soll über den Deal mit Brüssel wahrscheinlich im Herbst entschieden werden. Danach hätte der Konzern zwei Jahre Zeit für den Verkauf des Netzes.

Der zweitgrößte deutsche Versorger RWE will hingegen an seinem Netz ebenso festhalten wie die Nummer vier Energie Baden-Württemberg (EnBW). RWE hatte noch vor zwei Wochen sogar angeboten, die Führung im gesamten deutschen Strom-Höchstspannungsnetz zu übernehmen und auch den weiteren Netzausbau zu koordinieren. "Zu diesem Angebot stehen wir voll und ganz", betonte ein RWE-Sprecher am Freitag. Die Vattenfall-Entscheidung habe daran nichts geändert.

Die EU-Kommission, die seit Monaten auf eine eigentumsrechtliche Entflechtung der Energieversorger drängt, begrüßte die Vattenfall-Entscheidung. Energie-Kommissar Andris Piebalgs erklärte, er sei überzeugt, dass sowohl Verbraucher als auch Stromproduzenten von einem Verkauf der Übertragungsnetze profitierten - sie erhielten mehr Wettbewerb und Wahlfreiheit. Dass Energieproduktion und Netze bei den großen Versorgern in einer Hand liegen, gilt als ein Hauptgrund für den mangelnden Wettbewerb und die überhöhten Strompreise.

Die Bundesregierung will ebenfalls eine stärkere Entflechtung von Energienetzen und Erzeugern, lehnt eine eigentumsrechtliche Trennung allerdings ab. Seitdem die Netzentgelte, die die großen Konzerne von alternativen Versorgern ohne eigenes Netz für die Durchleitung verlangen, von der Bundesnetzagentur genehmigt werden müssen, hat sich die Profitabilität der Netze für die Energieriesen indes deutlich verringert.

Der Bund der Energieverbraucher begrüßt die Pläne, erwartet aber als unmittelbare Folge aus dem Verkauf noch keine geringeren Strompreise für Vattenfall- oder E.ON-Kunden. "Es geht darum, insgesamt die Wettbewerbsintensität zu erhöhen", erläuterte der Verbandsvorsitzende Aribert Peters den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten. Stromnetz und Stromerzeugung in einer Hand stelle grundsätzlich eine Wettbewerbsverzerrung dar. Für potenzielle Käufer sei das Stromnetz allerdings immer noch attraktiv, da die Bundesnetzagentur die Durchleitungskosten nicht stark genug beschränke.