Ausblick

Auch ohne Uniper: Eon-Prognose fällt düster aus

Energieriese Eon wird Experten zufolge trotz des Umbaus weiter mit Verlusten zu kämpfen haben. In der am Mittwoch erwarteten Zwischenbilanz sind die Ergebnisse der neuen Tochter Uniper nicht miteinbezogen.

EON© E.ON SE

Essen - Der Energiekonzern Eon muss trotz seiner tiefgreifenden Neuausrichtung zunächst weiter auf eine Trendwende warten: Auch ohne die vor der Abspaltung stehende angeschlagene Kraftwerks- und Handelstochter Uniper ist laut Analysten der Gewinn im ersten Halbjahr gesunken. Hauptgrund ist ein deutlicher Gewinneinbruch der Atomsparte, die Eon auf politischen Druck hin nicht zu Uniper transferieren darf.

Uniper-Ergebnisse fließen nicht mit ein

Nachdem die Aktionäre im Juni der Aufspaltung des Konzerns zugestimmt haben, legt der Konzern am 10. August seine Zwischenbilanz erstmals in der neuen Struktur vor. Dabei werden die Uniper-Ergebnisse nicht mehr in die operativen Kennziffern einbezogen. Angesichts der für September geplanten Börsennotierung der Tochter werden deren Zahlen nur noch ins Nettoergebnis einfließen.

Analysten erwarten einen Gewinn-Rückgang von 2,9 Milliarden Euro

Auch ohne die zuletzt wegbrechenden Uniper-Gewinne rechnen die von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Montag befragten Analysten mit einem Rückgang des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von gut 13 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro. Dabei belasteten vor allem deutlich eingebrochene Gewinne der deutschen Atomkraftwerke, die unter den niedrigen Preisen für Strom im Großhandel leiden. Außerdem fehlen nun die Ergebnisse des im Winter verkauften Öl- und Gasfördergeschäfts in der Nordsee. Schwächer dürfte auch das Netzgeschäft in Deutschland gelaufen sein, während die Ökostromsparte von zwei neuen Windparks profitierte.

Uniper kündigte bereits hohe Abschreibungen an

Inklusive der Uniper-Geschäfte dürfte der Gewinn unter dem Strich noch stärker gesunken sein - die Experten von Societe Generale rechnen etwa mit einem Einbruch um mehr als ein Viertel. Eon droht in diesem Jahr ohnehin der dritte Milliarden-Verlust nacheinander. Das Unternehmen hat Investoren bereits darauf vorbereitet, nach der Börsennotierung seiner Kraftwerks- und Handelstochter Uniper auf dieses Geschäft erneut hohe Abschreibungen vornehmen zu müssen.

Eon-Aktionäre werden automatisch Besitzer von Uniper-Anteilsscheinen

Derzeit steht Uniper dem offiziellen Spaltungsbericht zufolge noch mit 15,5 Milliarden Euro in den Büchern. Analysten schätzen den tatsächlichen Wert aber nur auf bis zu 5,5 Milliarden Euro. Der genaue Preis wird im Laufe des Septembers feststehen, wenn Uniper an die Börse geht. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern eine Abspaltung vom Mutterkonzern. Deshalb bekommen Eon-Aktionäre automatisch für zehn Aktien einen Uniper-Anteilsschein.

Analysten: Eon-Abschreibungen liegen bei 5 Milliarden Euro

Eon selbst behält zunächst 46,65 Prozent der Anteile, die erst in einiger Zeit veräußert werden sollen. Auf diesen Teil müsste Eon dann die Abschreibungen vornehmen. Derzeit liegt der Nettobuchwert dieser Anteile bei 7,2 Milliarden Euro, gemessen an den aktuellen Analystenschätzungen ist das Paket tatsächlich aber nur 2 bis 2,5 Milliarden Wert. Demzufolge würden sich die Abschreibungen auf fünf Milliarden Euro belaufen.

Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung nimmt zu

Eon hatte Ende 2014 angekündigt, sich angesichts der Energiewende aufzuspalten. In der Folge schrieb der Konzern 2014 einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro, 2015 lag das Minus sogar bei 7 Milliarden Euro. Ein neuerlicher Verlust würde das Eigenkapital weiter aufzehren und eine Kapitalerhöhung wahrscheinlicher machen. Entsprechende Pläne gibt es ohnehin schon im Konzern. Im Zusammenhang mit den erwarteten Milliardenkosten für den Atomerbe-Staatsfonds hatte Finanzchef Michael Sen im Mai die Ausgabe neuer Aktien als eine Möglichkeit für die Finanzierung bezeichnet.

Update: Eon schreibt 3 Milliarden Euro an Verlust

Das Unternehmen schrieb weitere 3,8 Milliarden Euro auf seine vor der Abspaltung stehende Kraftwerks- und Handelstochter Uniper ab. Das führte zu einem Verlust im ersten Halbjahr von unterm Strich 3 Milliarden Euro, wie Eon am Mittwoch in Essen mitteilte.

Die Verlustserie zehrt wie erwartet das Eigenkapital weiter auf. In den ersten sechs Monaten schmolzen die Puffer um fast 7 Milliarden Euro auf nur noch rund 12,2 Milliarden Euro. Dazu trugen auch die historisch niedrigen Zinsen bei, die die Pensionsrückstellungen belasteten. Die Eigenkapitalquote schmolz um 5 Prozentpunkte auf nur noch 12 Prozent.

Finanzvorstand Sen: Konzern sitzt auf großem Vermögen

"Schlaflose Nächte" bereite ihm das aber nicht, sagte Finanzvorstand Sen. Denn der Konzern sitze weiter auf einem großen Vermögen - etwa in Form seiner Netze. Auch der Markt schaue deshalb über die dünneren Kapitalpolster hinweg. Eine Kapitalerhöhung steht trotzdem weiter im Raum. Er betonte jedoch, dass diese nur zur Finanzierung der erwarteten Milliardenkosten für den Atomerbe-Staatsfonds dienen würde. Trotz der neuerlichen Milliardenbelastung hält Eon-Chef Johannes Teyssen die Aufspaltung weiter für "die richtige Antwort" auf die Energiewende.

Quelle: DPA