Auch ohne Kernkraftwerke weiterhin Atomstrom in Deutschland

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Eine Einigung über den Atomausstieg in Deutschland wird immer wahrscheinlicher, jedoch könnten Stromlieferungen von ausländischen Kernkraftwerken den deutschen Atomausstieg weitgehend ad absurdum führen. Namhafte Experten erwarten, dass die deutschen Energiekonzerne in erheblichem Umfang billigen Nuklearstrom aus dem Ausland einkaufen, wenn sie hierzulande ihre Reaktoren abschalten müssen. Dies berichtete das Hamburger Magazin STERN.


Nach diesem Bericht warnt das Freiburger Öko-Institut in einer bisher unveröffentlichten Studie vor allem vor Strom aus Osteuropa: "Nicht unerhebliche Exportmengen" aus "ökologisch und sicherheitstechnisch in erheblicher Weise bedenklichen Kraftwerken" könnten auf die westlichen Strommärkte dringen. Die freien Kapazitäten in den Ost-Reaktoren schätzen die Freiburger Forscher auf bis zu 8000 Megawatt. Das entspricht rechnerisch der Leistung von fast sieben deutschen Atomkraftwerken.


Auch aus West- und Nordeuropa könnte Nuklearstrom in großen Mengen auf den deutschen Markt kommen. Durch Lieferungen aus diesen Regionen könnten nach Einschätzung des Leiters der Niedersächsischen Energieagentur, Stephan Kohler, "mindestens sieben bis acht deutsche Kernkraftwerke locker ersetzt werden". Kohlers Prognose: "Auch wenn wir aussteigen, wird der Atomstrom-Anteil auf dem deutschen Markt mittelfristig kaum sinken."


Die deutsche Atombranche plant schon jetzt in großem Stil den Einkauf von Nuklearstrom aus dem Ausland. So werden die Münchner Bayernwerke ab 2001 jährlich rund fünf Milliarden Kilowattstunden russischen Atomstrom nach Deutschland importieren, Siemens will sich an der Fertigstellung von Reaktorblöcken in Russland und der Ukraine beteiligen. "Auch wenn Rot-Grün das gerne hätte", so Walter Hohlefelder, Vorstandsmitglied von PreussenElektra, zum STERN, "wird deutscher Atomstrom mit Sicherheit nicht durch Wind- oder Sonnenergie ersetzt."


ots