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Auch Oettinger fordert Abkehr vom Atomausstieg

Nach Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hat jetzt auch Baden-Württembergs Oberhaupt Günther Oettinger einen Ausstieg vom vereinbarten Atomausstieg gefordert. SPD und Grüne weisen das allerdings weiterhin entschieden zurück. Man sehe sich notfalls auf dem Acker, hieß es.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) unterstützt die Forderung nach einer Abkehr vom Atomausstieg. "Ich glaube, dass die Strompreisentwicklung in den nächsten Monaten und die Entwicklung auf dem europäischen Energiemarkt mit dem Bau weiterer Kernkraftwerke die Sozialdemokraten zum Nachdenken bewegen wird", sagte Oettinger der "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe).

Sein niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff (CDU) habe "völlig Recht", wenn er längere Laufzeiten für bestehende Atomkraftwerke fordere. "Ich sehe durchaus Spielräume für Neuverhandlungen", sagte Oettinger, zumal auch Gewerkschafter den Ausstieg inzwischen in Frage stellten. Wulff hatte den Ausstieg aus dem Atomausstieg verlangt, der im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschrieben ist.

Für SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber indes ist Wulffs Vorstoß "ein Atom-Gau Marke Wulff". "Das ist der größte anzunehmende Unfug", sagte der Energie-Experte den "Lübecker Nachrichten" (Freitagausgabe). Denn Atomenergie sei eine "teure Energie, die über den Steuerzahler subventioniert wird". Der Wulff-Vorschlag sei keine Lösung gegen hohe Energiepreise, betonte Kelber. Besonders die Preise für Strom aus Atommeilern kletterten. Deshalb sei eine andere Energiepolitik das Richtige. "Wir brauchen mehr Wettbewerb, mehr Anbieter und auch mehr erneuerbare Energien", sagte der SPD-Politiker.

Und auch die Grünen zeigen sich entrüstet. Fraktionsvorsitzende Fritz Kuhn: "Was Oettinger und Wulff von sich geben, ist ideologisches Gefasel. Anscheinend will Herr Oettinger mit dem Versprechen einer strahlenden Zukunft für Baden-Württemberg in den Wahlkampf ziehen. Wir werden uns jedem Aufweichen des Atomausstiegs vehement entgegenstellen - zur Not auch auf dem Acker."