Arsen und Quecksilber

Auch giftige Metalle im Atommülllager Asse eingelagert

Kritiker sind schockiert: Im niedersächsischen Atommülllager Asse lagern neben radioaktiven Abfällen auch Arsen, Quecksilber und andere giftige Metalle. Der Betreiber des Bergwerks, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), bestätigte am Mittwoch einen Bericht des Hamburger Magazins "Stern".

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Hamburg/Wolfenbüttel (ddp/red) - Dem Bericht des "Stern" zufolge befinden sich in der Asse insgesamt 497 Kilogramm Arsen. So seien dort hochgiftige Pflanzenschutzmittel aus Bayern entsorgt worden. Hinzu kämen weitere sehr giftige Stoffe wie Quecksilber und "Tonnen von Blei". Offiziell galt das frühere Salzbergwerk Asse als Versuchsendlager für Atommüll.

BfS-Sprecher Florian Emrich sagte, radioaktive Abfälle enthielten grundsätzlich auch "chemisch-toxisches Material" wie die Stoffe Arsen, Quecksilber und Blei. Für die radioaktiven Asse-Abfälle habe der frühere Asse-Betreiber Helmholtz Zentrum München entsprechende Abschätzungen vorgenommen. Diese entsprächen der von "Stern" genannten Gesamtmenge von 497 Kilogramm Arsen. Außerdem enthielten die Erhebungen des Helmholtz Zentrums "Hinweise auch auf eingelagerte arsenhaltige Pflanzenschutzmittel".

Lückenlose Aufklärung über Inventar gefordert

Das Bundesamt ist nach Angaben von Emrich derzeit mit einer neuerlichen Erfassung und Bewertung aller in der Asse eingelagerten Stoffe beschäftigt. Nach offiziellen Angaben wurden dort zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach und mittel radioaktivem Atommüll eingelagert. Darunter sind auch mehrere Kilogramm des extrem giftigen Plutoniums. Das Atommülllager Asse ist einsturzgefährdet und droht voll Wasser zu laufen. Das BfS prüft mehrere Varianten für eine sichere Schließung des Lagers.

Udo Dettmann, Sprecher des atomkritischen Asse-II-Koordinationskreises, reagierte "ziemlich schockiert" auf die Veröffentlichung. Man habe zwar gewusst, dass der frühere Asse-Betreiber Helmholtz Zentrum "sehr hemdsärmelig mit dem Atommüll umgegangen ist", sagte Dettmann. Die Einlagerung von nicht radioaktivem Giftmüll habe man aber nicht für möglich gehalten. Die Forderung der Bürgerinitiativen nach einer lückenlosen Aufklärung über das Asse-Inventar müsse jetzt erweitert werden. "Es kann nicht mehr nur um den Atommüll gehen, sondern wir wollen jetzt wissen, was überhaupt in der Asse liegt", sagte Dettmann.

Linke werfen BfS Verharmlosung vor

Die Oppositionsparteien im niedersächsischen Landtag kritisierten das BfS und forderten weitere Aufklärung. Die Grünen verlangten, aus allen Atommüllkammern der Asse Stichproben zu ziehen, damit belastbare Aussagen über die Zusammensetzung der dortigen Einlagerungen getroffen werden könnten.

Die Linkspartei warf dem Bundesamt vor, sich nicht ausreichend mit den Gefahren auseinanderzusetzen, die von den in der Asse eingelagerten Stoffen ausgingen. "Leider verharmlost das BfS in seinen Stellungnahmen die drohenden Gefahren", sagte Kurt Herzog, umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion. "In den kommenden Jahren werden leider immer mehr Stoffe austreten, da die eingelagerten Behälter weiter verrotten werden."