Energiewende

Auch die Kanzlerin bezieht jetzt Ökostrom

Kanzlerin Merkel hat erneut dafür geworben, für die Energiewende auch gewisse Zumutungen in Kauf zu nehmen, etwa den Bau neuer Stromleitungen. Sie sei davon überzeugt, dass Deutschland bis 2020 ohne Atomstrom auskomme, so Merkel. Das Kanzleramt werde indes ab Juli mit gutem Beispiel vorangehen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dazu aufgerufen, für die Energiewende den Bau von Hochspannungsleitungen zu akzeptieren. Beim Netzausbau gebe es beschleunigte Verfahren, dafür wolle man aber die Bürger "sehr früh bei der Planung beteiligen", sagte Merkel am Samstag in ihrem neuen Video-Podcast. Bis Ende des Jahres werde es ein Gesetz geben, "und dann können die Bauarbeiten beginnen". Hierbei geht es vor allem um die großen Leitungen, die den Windstrom aus dem Norden in den Süden bringen sollen.

Bauernverband ist stinksauer

Der scheidende Bauernpräsident Gerd Sonnleitner kritisierte dagegen die Pläne der Bundesregierung scharf. "4.000 Kilometer Stromtrassen sollen über unsere landwirtschaftliche Flächen führen. Für unseren landwirtschaftlichen Grund und Boden will man uns mit den Entschädigungssätzen des 40 Jahre alten Energiewirtschaftsgesetz abspeisen. Das lassen wir uns nicht gefallen", sagte Sonnleitner der "Passauer Neuen Presse".

"Die Netzbetreiber, die Kommunen - alle erhalten marktgerechte Preise für ihr Eigentum oder ihre Leistungen. Für unsere Bauern dagegen kommen auch noch Flächenverluste durch Ausgleichsflächen hinzu", klagte Sonnleitner. Für die Landwirte bedeute das weniger Wertschöpfung und Verdienstmöglichkeiten und zugleich Verteuerung von Grund und Pachten.

Kanzleramt bezieht ab Juli auch Ökostrom

CDU-Chefin Merkel zeigte sich derweil überzeugt, dass die Stromversorgung bis Ende 2022 ohne Kernkraft auskommt: "Dass wir schon 20 Prozent an der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien haben, ist ein Riesenerfolg. Die Herausforderung sei, Kraftwerke, die unabhängig vom Wetter rund um die Uhr Strom erzeugen können, mit den erneuerbaren Energien zu verbinden oder aber Energie zu speichern.

"Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das einen Vorrang für Einspeisung erneuerbarer Energien hat, muss intelligent mit den Investitionsanreizen für grundlastfähige Kraftwerke verkoppelt werden. Dann schaffen wir das", sagte die Kanzlerin. Sie wolle mit gutem Beispiel vorangehen: Ab Juli beziehe das Kanzleramt Ökostrom.