Vollständige Trennung

Auch Deutsche Bank fordert Entflechtung der Energiekonzerne

Analysten der Deutschen Bank haben sich für eine Entflechtung der Energiekonzerne stark gemacht. In einer am Montag veröffentlichten Studie unterstützten die Branchenexperten des Instituts Forderungen der EU-Kommission nach einer Trennung von Netz und Vertrieb beziehungsweise Erzeugung.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - "Dass die Versorger beides kontrollieren, ist derzeit das Kardinalproblem im europäischen Energiemarkt", sagte Josef Auer, Senior Economist im Energieteam von Deutsche Bank Research, am Montag in Berlin. "Ideal wäre eine vollständige Trennung", sagte er bei der Vorstellung der Studie. Politisch durchsetzbar ist seiner Meinung nach allerdings maximal ein unabhängiger Netzbetreiber. Ein solcher würde zugleich auch eine kostenträchtigere Regulierung bedeuten. Derzeit fehle noch ein echter Energie-Binnenmarkt in der EU, was unter anderem zu "Unterinvestitionen und Versorgungsengpässen" führe, kritisierte Auer.

Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter sind von dem in dieser Woche stattfindenden EU-Gipfel keine Weichenstellungen für eine Besserung zu erwarten. Angesichts des politischen Kalenders mit anstehenden Wahlen in verschiedenen Ländern sei die Ausgangsposition "alles andere als harmonisch", sagte Walter. Er erwarte keine strategischen Energie-Entscheidungen von dem Gipfel - allenfalls ein Verständnis dafür, dass sich die derzeitige Situation im Energiebereich nicht noch weiter verschlechtern dürfe.

Nach Einschätzung der Deutschen-Bank-Analysten kommt der Vorstoß der EU-Kommission für eine umfassende neue Energiepolitik dennoch "zur rechten Zeit". Es habe zuletzt "dramatische Entwicklungen" auf dem Energiemarkt gegeben, die zeigten, dass der heutige Energiemix in Europa nicht nachhaltig und mehr Umweltschutz nötig sei. Auch sei die Wettbewerbsfähigkeit im Stromsektor noch längst nicht erreicht. "Es ist höchste Zeit zu handeln", so Analyst Auer.