Studie

Atomstrom müsste eigentlich 4 Cent pro Stunde mehr kosten

Die wahren Kosten für Atom und Kohle liegen einer neuen Studie zufolge bei zusätzlichen 4,0 Cent pro Kilowattstunde. Ein Bündnis aus rund 100 Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen fordert nun ehrliche Strompreise und die vorrangige Einspeisung erneuerbarer Energien.

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Hamburg/Berlin/Aachen/Schwerte (red) - In der Debatte um die Förderung und den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland fordert die Klima-Allianz, ein Bündnis aus rund 100 Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Kirchen, die Bundesregierung dazu auf, Kohle und Atom zu Auslaufmodellen zu erklären und den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren voranzutreiben. Dazu gehöre ein klares Bekenntnis zur weiteren Förderung durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) sowie die vorrangige Einspeisung regenarativer Energiequellen. Zudem sei eine ehrliche Debatte über die Strompreise notwendig, die auch die "milliardenschweren Atomsubventionen" einbeziehe.

Laut einer Studie, die das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag von Greenpeace Energy erstellt hat, zahlen die Verbraucher in Deutschland für Kohle- und Atomstrom erheblich mehr, als in ihrer Stromrechnung ausgewiesen ist. Der Studie zufolge liege diese versteckte Konventionelle-Energien-Umlage bei 4 Cent pro Kilowattstunde. Diese Zusatzkosten sind nicht von der Stromrechnung abgedeckt, sondern werden über Steuern und Abgaben von der Gesellschaft getragen.

"Es ist unredlich, den Öko-Energien die Verantwortung für steigende Strompreise zu geben, während Atomkraft und Kohle ihre Kosten bequem und scheinbar unbemerkt auf den Steuerzahler abwälzen", sagt Robert Werner, Vorstand von Greenpeace Energy. Statt populistisch nach der Abschaffung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes zu rufen, müssten die Kosten sämtlicher Energieträger transparent ausgewiesen werden.

Auf einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden umgerechnet, beläuft sich die Konventionelle-Energien-Umlage auf 140 Euro im Jahr. Mit einer EEG-Umlage von 3,5 Cent für das Jahr 2011 entstehen dem Beispiel-Haushalt Kosten in Höhe von 122,50 Euro. Zur exakten Vergleichbarkeit wären zur EEG-Umlage noch weitere staatliche Förderungen hinzuzurechnen, die Greenpeace Energy derzeit in einer weiteren Studie berechnen lässt.

Andere Berechnungen kommen im Übrigen noch zu weit höheren Preisen für Atomstrom - etwa durch das Einbeziehen von Rückversicherungen, die für die Meiler eigentlich abgeschlossen werden müssten, die ob des immensen Risikos aber bislang kein Versicherer annimmt. Solche Berechnungen kommen auf Kilowattstundenpreise von bis zu zwei Euro.