Laufzeiten versteigern

Atomstrom-Auktion: Das wären die Vor- und Nachteile

Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke sollen möglicherweise nicht zugeteilt, sondern versteigert werden. Doch was steckt hinter diesem Vorschlag - wem würde er nutzen und wem schaden? Die Redaktion hat den neu aus der Schublade geholten Plan mal genauer angeschaut und auf Vor- und Nachteile abgeklopft.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Aktion soll ähnlich funktionieren wie die Versteigerung von Mobilfunklizenzen, die der Regierung 2000 umgerechnet rund 50 Milliarden Euro Mehreinnahmen einbrachte. Auch von der nun angedachten Versteigerung erhofft man sich Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe.

Reststrom soll nicht verschenkt, sondern versteigert werden

Das soll so funktionieren: Die zusätzlichen Laufzeiten werden in Strommengen umgerechnet, die Betreiber der Atomkraftwerke können diese dann ersteigern. Früher wurden Reststrommengen den Kraftwerken kostenlos zugeteilt. Man hofft darauf, dass die großen Konzerne mit hohen Einsätzen bieten. Die Regierung sieht in der Versteigerung den Vorteil einer wettbewerblichen Lösung. Konkret ist das zwar alles noch nicht, aber gegenüber der Financial Times sprach Umweltminister Röttgen von einem "interessanten Vorschlag, der eine ernsthafte Prüfung verdient." Auch bei anderen Regierungsmitgliedern stößt der Vorschlag auf Sympathien.

Opposition und Umweltschützer protestieren

Umweltschützer und auch Opposition kritisieren diesen Plan. Ein großer Kritikpunkt ist dabei die Sicherheit. Wenn man mit der Verlängerung der Laufzeiten solch große Gewinne einfahren könne, führe das möglicherweise dazu, dass ältere Kraftwerke auch bei Mängeln weiter betrieben würden. Außerdem würden von einer Laufzeitverlängerung hauptsächlich die großen Konzerne, die Atomkraft nutzen, profitieren. SPD und Grüne hatten schon angekündigt, gegen die Laufzeitverlängerung vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen.

Wie viel soll eine Laufzeitverlängerung wert sein?

Was die Regierung positiv beurteilt, nämlich die Ungewissheit darüber, wie viel dem einzelnen Stromanbieter eine Laufzeitverlängerung wert ist, sehen die Konzerne selbst kritisch: Kosten seien auf diese Weise nur noch schwer kalkulierbar. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung jedoch hat den Wert einer Laufzeitverlängerung von acht Jahren berechnet und kommt auf mindestens 56 Milliarden Euro. Mit acht bis zwölf Jahren rechnet auch die Regierung.

So soll die Akzeptanz bei der Bevölkerung erhöht werden

Auch die Bürger sehen den Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomkraft eher kritisch. Hier hofft die Regierung, beschwichtigen zu können, indem das Geld, das durch die Versteigerung eingenommen werden soll, dem Abbau der Staatsschulden und der Investition in Forschung und Bildung dienen soll. Außerdem sollen erneuerbare Energien gefördert werden. Dadurch soll die Akzeptanz der Bevölkerung für die Laufzeitverlängerung erhöht werden.