Heftigste Proteste seit Jahren

Atommülltransport hat Zwischenlager Gorleben erreicht

Mit reichlich Verspätung hat der mittlerweile elfte Atommülltransport ins Zwischenlager in Gorleben in der Nacht zum Dienstag sein Ziel erreicht. Der Transport wurde von massiven Protesten begleitet, so dass es sich nach Angaben der Atomkraftgegner um den zeitintensivsten der seit 1995 nach Gorleben stattfindenden Transporte handelt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (ddp/sm) - Um 0:17 Uhr passierte der Tieflader mit dem ersten der elf Atommüllbehälter das Tor des Transportbehälterlagers. Exakt 66 Minuten zuvor hatte der Transport den Verladebahnhof Dannenberg für das rund 20 Kilometer lange Teilstück verlassen. Die letzte Passage verlief nach Angaben eines Polizeisprechers reibungslos.

Mehrere Stunden Verspätung durch Proteste

Im Zuge der massivsten Proteste von Atomkraftgegnern seit Jahren mussten die bereits seit dem Mittag beladenen Tieflader mehrere Stunden im Verladebahnhof auf ihre Abfahrt warten. Durch Blockadeaktionen waren sowohl Nord- als auch Südroute blockiert.

Im Ort Grippel, den der Atommülltransport auf dem Weg ins Zwischenlager Gorleben in jedem Fall passieren muss, hatten sich jeweils vier Landwirte der Bäuerlichen Notgemeinschaft an zwei ein Meter hohe Betonpyramiden auf der Dorfstraße festgemacht. Man sei sich bewusst, mit der symbolischen Aktion den Atomtransport nicht aufhalten zu können, sagte die Sprecherin der Initiative, Monika Tietke. Mit ihrer Aktion wollten sie auf die "verkehrte Atompolitik" aufmerksam machen. Erst nach mehr als acht Stunden hatten Einsatzkräfte alle Aktivisten "befreit".

Sitzblockade vor Zwischenlager

Nach insgesamt rund 48 Stunden Dauer räumte bereits am Nachmittag ein Großaufgebot der Polizei direkt vor dem Zwischenlager eine Sitzblockade, an der sich bis zu 1000 Demonstranten beteiligten. Beamte brachten die Teilnehmer hinter eine Absperrung und verzichteten nach Angaben der Polizei auf Ingewahrsamnahmen, weil es nur darum gegangen sei, die Transportstrecke freizubekommen.

Am Montagabend räumten Polizisten schließlich auch eine Blockade durch rund 40 Traktoren in Quickborn. Daneben starteten Demonstranten während des gesamten Abends entlang der Strecke immer wieder neue Blockadeversuche. Noch kurz bevor die Tieflader in Dannenberg starteten, versuchten Atomkraftgegner bei Laase erneut auf die Transportstrecke zu gelangen. Dies verhinderten Polizeikräfte durch den Einsatz von Wasserwerfern.

Der Zug mit den Behältern aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague war am Freitagabend in Valognes gestartet. Am Samstag hatten rund 14.500 Menschen in Gorleben demonstriert, so viele wie seit Jahren nicht mehr. Begleitet von massiven Protesten hatte er in der Nacht zum Montag um 01.13 Uhr den Dannenberger Bahnhof erreicht. Dort wurden die Transportbehälter auf Tieflader umgeladen.