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Atommüll könnte auch nach Bayern kommen

26 Castor-Behälter mit Atommüll sollen noch aus Frankreich und Großbritannien nach Deutschland kommen. Nach Schleswig-Holstein, Hessen und Baden-Württemberg sind nun auch Standorte in Bayern als Zwischenlager im Gespräch. Sollte der Bund jedoch allein entscheiden, droht Bayern mit einem Scheitern der Energiewende.

Castor© Tiero / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Der noch nach Deutschland aus dem Ausland zurückkommende Atommüll wird nach Medienberichten möglicherweise zum Teil auch in Bayern zwischengelagert. Darauf hätten sich das Bundesumweltministerium und die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW verständigt. Die Einigung solle an diesem Freitag bei einem Treffen von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit den Vorstandsvorsitzenden der Konzerne besiegelt werden, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag).

Landesregierungen nicht an Übereinkunft beteiligt

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" waren die betroffenen Landesregierungen nicht am Zustandekommen der Übereinkunft beteiligt. Bayern hat dann auch dem Bund mit einem Scheitern der Energiewende gedroht, sollte die Bundesregierung einseitig eine Atommüll-Zwischenlagerung in einzelnen Ländern beschließen. "Wenn der Bund hier allein entscheiden will, stellt er eine Einigung bei der Energiewende insgesamt infrage", erklärte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) am Freitag in München. Einseitige Festlegungen des Bundes seien "politisch unklug und dreist". Dies müsse, wie alle anderen Fragen, am Verhandlungstisch mit den Ländern gelöst werden.

Es geht um 26 Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll aus deutschen Kernkraftwerken, die noch aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich und Großbritannien zurückkommen. Bisher hatten sich nur Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen bereiterklärt, einen Teil der Behälter in Zwischenlagern unterzubringen. Nun sollen laut "FAZ" auch am Atomkraftwerk Isar in Bayern Castoren ins Zwischenlager kommen, außerdem an den Standorten Philippsburg (Baden-Württemberg), Brokdorf (Schleswig-Holstein) und Biblis (Hessen).

Konzerne wollen mögliche Standorte prüfen

Laut "Handelsblatt" haben die Konzerne aber nur zugesagt, diese Standorte unter technischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu prüfen. Sie wollen im Gegenzug nach dem "FAZ"-Bericht versprechen, eine Klage gegen das Atomgesetz nicht weiter zu verfolgen. Mit dieser wollten die Energiekonzerne eigentlich erzwingen, dass die Castor-Behälter doch noch in das Zwischenlager Gorleben gebracht werden.

Quelle: DPA