Probebetrieb

Atommeiler Biblis B geht wieder ans Netz

Der Reaktorblock B des Atomkraftwerks im südhessischen Biblis läuft seit Donnerstag im Probebetrieb. Sollten die mehrtägigen Tests keine Mängel an der Technik aufzeigen, werde der Reaktor nach fast zehn Monaten Revision wieder regulär mit voller Kraft ans Netz gehen, sagte eine Sprecherin des AKW-Betreibers RWE Power am Donnerstag.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Biblis (ddp-hes/red) - Die Revision habe rund 142 Millionen Euro gekostet. Block A, Deutschlands ältester Atomreaktor, soll nach derzeitigen Plänen in der ersten Januarhälfte 2010 wieder hochgefahren werden.

Im Zuge der nun anstehenden Tests bei verschiedenen Laststufen ist vom Biblis-Betreiber auch eine Trennung der Anlage vom Stromnetz vorgesehen. Mit diesem Versuch würden die Schutz- und Regeleinrichtungen untersucht, nachdem die Komponenten an der Schnittstelle zwischen Kraftwerk und Netzanbindung verbessert worden seien, erklärte die RWE-Sprecherin.

Nach Angaben von RWE Power umfassten Nachrüstung und Modernisierung von Biblis B mehr als 16.000 einzelne Arbeiten. Unter anderem wurden demnach Rohrleitungen und Halterungen verstärkt, elektrotechnische Komponenten verbessert und Zulaufleitungen für das Nebenkühlwassersystem ausgetauscht. Eingebaut worden seien eine Sumpfsiebrückspülung und engmaschigere Sumpfsiebe, um die Sicherheitsreserven für den Fall eines großen Kühlmittelverlusts zu erhöhen. Dieser Fall sei aber "äußerst unwahrscheinlich", sagte die RWE-Sprecherin.

Probebetrieb von Biblis B löst Kritik aus

Die grünen im hessischen Landtag haben die schwarz-gelbe Regierungskoalition scharf für den Beginn des Probebetrieben scharf kritisiert. CDU und FDP wüssten, "dass sie für eine Aufkündigung des Atomkonsenses in der Bevölkerung keine Mehrheit haben", sagte die Umweltpolitikerin Ursula Hammann in Wiesbaden. "Es geht nicht darum, die Profitinteressen der Stromkonzerne zu erfüllen, die sich durch verlängerte Laufzeiten eine goldene Nase verdienen können." Nach wie vor sei Biblis etwa nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze geschützt.

Die SPD-Fraktion äußerte Unverständnis darüber, dass der Reaktorblock nach monatelangem Stillstand wieder ans Netz gehe. "Ich halte ein Anfahren des Blocks nach all den Vorwürfen, die weder von RWE noch von der Landesregierung ausgeräumt werden konnten, schlichtweg für problematisch", sagte der atompolitische Sprecher Norbert Schmitt. Die Auskünfte der Landesregierung im Umweltausschuss hätten ferner "nicht überzeugt".

Die Vorsitzende der Linksfraktion, Janine Wissler, nannte die Wiederaufnahme des Reaktorblocks "unverantwortlich". Die vergangenen Monate hätten zudem gezeigt, "dass in Hessen nicht die Lichter ausgingen", wenn Biblis vom Netz gehe.