Angriff auf den Atomausstieg

Atomlobby will neue Kernkraftwerke bauen

Angesichts steigender Energiepreise und zäher G8-Verhandlungen zum Klimaschutz werden Forderungen nach längeren AKW-Laufzeiten immer lauter. Die Atomlobby geht in die Offensive und fordert den Bau neuer Meiler ab 2020. Auch einige Vertreter der Union traten dafür ein, neben der Laufzeitverlängerung auch den Neubau von AKW in Betracht zu ziehen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin/München (ddp/sm) - Der Chef des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, sagte gegenüber "sueddeutsche.de", es gebe zwar im Moment keinen Bedarf für neue Atommeiler. Auf die Frage, wann es in Deutschland neue Kernkraftwerke geben müsse, antwortete der Cheflobbyist der deutschen Kernenergie-Industrie: "Ich würde sagen: Irgendwann in den 20er Jahren."

Hohlefelder hofft auf eine Rückbesinnung auf die Atomkraft nach der Bundestagswahl 2009. Er setze seine Hoffnungen dabei nicht allein auf eine schwarz-gelbe Mehrheit. "Wenn es rational zugeht, wird jede politische Konstellation zu einer Neubewertung kommen", sagte Hohlefelder.

Auch der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (CDU), plädiert für den Neubau von Atomkraftwerken. Um Strom verlässlich, kostengünstig und ausreichend für Bürger und Industrie bereitzustellen und die Klimaziele zu erreichen, müsse der Beschluss zum Atomausstieg zurückgenommen werden, mahnte Mißfelder. Das bedeute neben längeren Laufzeiten für die Atommeiler auch, langfristig "auf einen Ausbau der Kernenergie durch Neubauten" zu setzen.

Der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Christian Ruck, verwies auf die neue Technologie der europäischen Druckwasserreaktoren EPR, die derzeit in Finnland und Frankreich gebaut werden. "Ich bin klar dafür, dass wir mit dieser Technologie auch hier in Deutschland neue Kraftwerke bauen", sagte Ruck der "Augsburger Allgemeinen". Er betonte, die Technik der sicheren EPR-Reaktoren biete die "große Chance für eine Entdämonisierung der Atomenergie".