Am Wochenende

Atomkraftgegner blockierten Zufahrt zum AKW Brunsbüttel

Atomkraftgegner haben am Sonntag vorübergehend die Zufahrt zum Atomkraftwerk Brunsbüttel blockiert. Die Polizei sprach von einer friedlichen Aktion im "kleinen Rahmen" mit 22 Teilnehmern. Auf einem Spruchband forderten sie die sofortige Abschaltung des Kernkraftwerks.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Brunsbüttel (ddp-nrd/sm) - Unterdessen erneute auch die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Bärbel Höhn, ihre Forderung, den Meiler an der Unterelbe stillzulegen bis offene Sicherheitsfragen geklärt sind.

Brunsbüttel dürfe "keine Minute länger laufen", betonte die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, die sich an der Aktion beteiligte. Die AKW-Betreiber würden gravierende Sicherheitsmängel vertuschen. Kaum ein anderer Reaktor in Deutschland habe so häufig wegen Pannen vom Netz genommen werden müssen wie das AKW Brunsbüttel.

Zu Berichten, wonach der Betreiber Vattenfall eine längere Laufzeit für den Atommeiler prüfe, sagte Höhn: Bis heute habe Vattenfall für Brunsbüttel den von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) bereits bis zum 28. August geforderten Sicherheitsnachweis nicht liefern können. Vattenfall wolle jetzt eine Umstellung im Produktionsprozess vornehmen, um einen Fehler beim Wechselstrom wie in Forsmark auszuschließen. Das bedeutet, dass Vattenfall von der Sicherheit seines eigenen Atomkraftwerkes nicht überzeugt sei, betonte sie.

Es könne nicht sein, dass Deutschland niedrigere Sicherheitsstandards als in Schweden gelten, sagte die Grünen-Politikerin. Während in Deutschland ein Reaktor, der bereits mehrfach durch gravierende Sicherheitsmängel in die Kritik geraten sei, am Netz bleiben dürfe, werde in Schweden konsequent abgeschaltet.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bezeichnete die Äußerungen des Vattenfall-Vorstandes Reinhardt Hassa gegenüber der "Frankfurter Rundschau", Brunsbüttel könne 40 oder sogar 60 Jahre sicher laufen, als "Zynismus pur". DUH Bundesgeschäftsführer Rainer Baake sagte, "Dieser Reaktor ist erst sicher, wenn er endgültig abgeschaltet ist." Er verwies darauf, dass am 23. August 2004 ein Kabelbrand zu einer Reaktorschnellabschaltung und einem Stillstand der Anlage von 63 Tagen führte. Dieses Ereignis sei vom Bundesamt für Strahlenschutz als "Eilmeldung" der Stufe 1 der INES-Skala (International Nuclear Event Scale) eingestuft worden.

Der Meiler an der Unterelbe war jüngst in die Kritik geraten, nachdem die DUH ähnliche Mängel wie beim Kraftwerk im schwedischen Forsmark ausgemacht hatte. Brunsbüttel soll nach dem Atomkonsens Anfang 2009 vom Netz gehen.

Von Ekkehard Beisker