Konflikt

Atomkonzerne lehnen Plan zur Atomausstiegs-Finanzierung ab

Die Atomkonzerne spielen bei dem Plan zur Finanzierung des Atomausstiegs, den die Regierungskommission am Mittwoch vorstellte, nicht mit. Die Kommission forderte die Unternehmen auf, zunächst rund 24 Milliarden Euro ihrer Rückstellungen in einen öffentlichen Fonds einzuzahlen.

Atomkraftgegner© Thorsten Katz / Fotolia.com

Berlin/Essen - Deutschlands Atomkonzerne lehnen die Vorschläge der Regierungskommission zur langfristigen Finanzierung des Atomausstiegs vorerst ab. Die betroffenen Energieunternehmen würden mit einem hohen Risikoaufschlag "über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinaus" belastet, hieß es am Mittwoch in einer Eon-Stellungnahme. Dies könnten sie aus Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, Kunden und Eigentümern nicht akzeptieren. Die Unternehmen wollten allerdings vor einer abschließenden Bewertung die Unterlagen eingehend analysieren.

Konzerne sehen in der Endlagerung eine Aufgabe des Staates

Gleichlautende Mitteilungen gab es auch von RWE, EnBW und Vattenfall. Die Unternehmen betonen in der Stellungnahme, dass sie selbstverständlich zu ihren Verpflichtungen für die Abwicklung der Kernenergie stünden. Die Zwischen- und Endlagerung in Deutschland sei aber eine operative Aufgabe des Staates, der dafür auch die politische Verantwortung trage.

Der CDU-Politiker Ole von Beust hatte den Vorschlag zuvor gelobt und die Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall aufgefordert, bei der Lösung mitzumachen. Geplant sind 23,34 Milliarden Euro für die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll, die in einen staatlichen Fonds fließen sollen. Unter anderem darauf hatte sich die Regierungskommission am Mittwoch einstimmig geeinigt.

Rückstellung sollten mit dem Fonds gesichert werden

Mit dem Aufschlag hätten sich die Konzerne zwar von der Haftung und möglichen Mehrkosten freigekauft. Der Staat aber hätte sich etwa die Hälfte der in den Konzernen für die Atom-Altlasten angesammelten Rückstellungen, die so auch im Falle einer Konzernpleite bereitstünden, sichern können. Damit wären auch die Risiken für die Steuerzahler gesunken.

Vorschläge der Regierungskommission im Detail

Kosten: Basis der Vorschläge waren unterstellte Gesamtkosten für Abriss und Lagerung von 47,5 Milliarden Euro (zu Preisen aus dem Jahr 2014). Die in den Konzernen gebildeten Rückstellungen für die Altlasten wurden mit 38,3 Milliarden Euro beziffert (Ende 2014). Inzwischen sind daraus gut 40 Milliarden Euro geworden.

Abriss und Stilllegung: Die Kommission schlägt vor, Rückstellungen von zurzeit 19,8 Milliarden Euro (Ende 2014) bei den Konzernen zu belassen. Sie sollen damit Stilllegung und Abriss der Atommeiler abwickeln sowie für die endlagergerechte Verpackung des Atommülls verantwortlich sein. Als Kosten dafür waren Ende 2014 rund 24 Milliarden Euro unterstellt. Die Rückstellung sollen zudem transparent und nachprüfbar sein. Auch muss sichergestellt werden, dass Unternehmen nicht durch kreativen Unternehmensumbau die Haftungssumme mindern. Zudem soll eine Pflicht zu einem zügigen Rückbau der Atommeiler festgeschrieben werden. Als Zeit für den Rückbau wird ein Zeitraum von bis 2040 unterstellt.

Zwischen- und Endlagerung: Die finanzielle Sicherung für Auswahl, Bau, Betrieb und Stilllegung der nuklearen Endlager wird dem Staat übertragen. Hier geht es um eine Zeitdauer von mehreren Jahrzehnten bis weit in das Jahr 2090. Dafür holt sich der Staat aber das Geld von den Konzernen, um es auch vor möglichen Firmenpleiten zu sichern. Er legt es langfristig an, um dank Zinseszinsen einen weit höheren Betrag zu erwirtschaften. Die Konzerne sollen bis zum Jahr 2022 rund 23,342 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds überweisen. Damit sind die Kosten zu Preisen von 2014 abgedeckt - wenn also Zwischen- und Endlager jetzt gebaut würden. Die Mittel werden vom wirtschaftlichen Schicksal der Konzerne abgekoppelt.

Dazu sollen 17,2 Milliarden Euro (Ende 2014) aus den Rückstellungen der Konzerne unmittelbar an den öffentlich-rechtlichen Fonds übertragen werden. Um sich von einer Haftung voll freizukaufen, zahlen die Konzerne noch einen Risikoaufschlag von zusammen 6,142 Milliarden Euro. Diese Prämie von rund 35 Prozent zahlt jedes Unternehmen für sich. Über sichere Geldanlagen der Fondsmittel sollen der Betrag erhöht und mögliche Mehrkosten aufgefangen werden.

Quelle: DPA