Inakzeptabel

Atomindustrie gegen Strompreissenkung für längere Laufzeiten

Die Aussicht, durch eine Verlängerung der Atom-Laufzeiten eine Senkung der Strompreise zu bewirken, bezeichnete der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, in der "Berliner Zeitung" als unrealistisch. Die Zusatzgewinne in einen Fonds zu stecken hält er für "ordnungspolitisch völlig inakzeptabel".

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die deutsche Atomwirtschaft lehnt den Vorschlag der Union ab, sich im Gegenzug für längere Kernkraftwerkslaufzeiten auf niedrigere Strompreise zu verpflichten. "Der Strompreis bildet sich am Markt. Und so sollte es bleiben", sagte der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe).

Hohlefelder wandte sich auch gegen Überlegungen in der Union, Teile der wegen der längeren Laufzeiten zu erwartenden Zusatzgewinne in einen Fonds etwa für energie-intensive Betriebe zu stecken. Eine solche Gewinnabschöpfung sei ordnungspolitisch völlig inakzeptabel. "Welches Interesse sollten wirtschaftlich agierende Firmen an längeren Laufzeiten haben, wenn wir dadurch keinen Gewinn machen?", fragte er.

Die Aussicht auf niedrigere Strompreise sei unrealistisch, sagte Hohlefelder. Zwar werde der Strompreis mit Kernenergie sicher weniger stark steigen als ohne. Einen Spielraum für Preissenkungen sehe er aber nicht. "Die aus längeren Laufzeiten resultierenden Renditen sind niedriger als viele denken", sagte er. Die in der Union kursierenden Zahlen seien stark übertrieben.

Grundsätzlich lobte der Manager aber den Vorstoß von CDU und CSU. "Wir begrüßen das Angebot von Angela Merkel für längere Laufzeiten", sagte Hohlefelder. Die Wirtschaft fühle sich aber so lange an den Atomkonsens gebunden, wie Rot-Grün im Amt sei. "Wir sind vertragstreu", versicherte er. Wenn im Herbst allerdings die Regierung wechsele, habe man einen neuen Vertragspartner.