"Bevölkerung einlullen"

Atomgegner demonstrieren in Salzgitter

Rund 100 Atomkraftgegner haben gestern in Salzgitter gegen die Eröffnung einer Informationsstelle zum geplanten Endlager Schacht Konrad demonstriert. Die Teilnehmer forderten auf Transparenten und in Redebeiträgen den Verzicht auf das Endlager und einen raschen Ausstieg aus der Kernenergie.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Salzgitter (ddp-nrd/sm) - Zu der Kundgebung hatte das Bündnis "Salzgitter gegen Konrad" aufgerufen. Mit dem Bürgerbüro will das Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) über die bevorstehenden Schritte beim Umbau von Schacht Konrad zum Endlager informieren. "Wir haben festgestellt, dass es einen Informationsbedarf bei den Bürgern gibt, und dem tragen wir mit der Infostelle Rechnung", sagte ein BfS-Sprecher.

Es sei "eine Provokation, dass der Bund hier so viel Geld ausgibt, um die Bevölkerung einzulullen", sagte Björn Harmening vom Bündnis "Salzgitter gegen Konrad". Das nun vom BfS genutzte Gebäude habe zuvor einen Buchladen beherbergt. "Früher wurden hier Märchen verkauft, zukünftig sollen hier Märchen erzählt werden", sagte Harmening.

Das Atommüllendlager Schacht Konrad soll 2013 den Betrieb aufnehmen. In dem ehemaligen Eisenerzbergwerk können bis zu 303.000 Kubikmeter schwach und mittelstark strahlende radioaktive Abfälle eingelagert werden. Für die Lagerung von hoch radioaktivem Müll wie abgebrannte Brennstäbe aus Atomkraftwerken gibt es keine Genehmigung.

Gegen das geplante Endlager hatte die Stadt Salzgitter Verfassungsbeschwerde eingelegt, war damit aber beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe gescheitert. Über die Beschwerde eines Landwirts hat das Karlsruher Gericht noch nicht entschieden.