Ärger über Schwarz-Gelb

Atomgegner begleiten Koalitionsverhandlungen mit Protesten

Die Koalitionsverhandungen von Union und FDP wurden durchgehend von Protestn begleitet. Atomkraftgegner protestieren vor der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin, wo die Parteien über den Koalitionsvertrag verhandeln, gegen eine Abkehr vom Atomausstieg. Auch das Zwischenlager Gorleben wurde besetzt.

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Berlin (ddp/red) - So lange Union und FDP auch verhandelten, sie waren nie allein. Nicht nur Pressevertreter harrten drei Tage lang an der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin aus, auch Atomkraftgegner zählten zu den treuen Begleitern der Marathonsitzung der künftigen Koalitionäre. Jeden Tag standen sie auf der Straße und protestierten mit Fahnenketten, brennenden Tonnen, Trommeln und rund 100.000 gesammelten Unterschriften gegen die Laufzeitverlängerungen der deutschen Atomkraftwerke. Sobald sich die schwarz-gelben Spitzenpolitiker blicken ließen, gab es lautstarke Sprechchöre "Schluss mit den Atomkraftwerken".

Als sich die Atom-Gegner der Organisation "ausgestrahlt" am Sonntagmorgen vor dem Eingang der Landesvertretung auf den Boden setzten und in Sprechchören "Gorleben soll leben" forderten, griff die Polizei durch: Die Demonstranten wurden weggetragen und bekamen Platzverweise. Auch Personalien seien aufgenommen und Strafanzeigen angedroht worden, erzählte Luise Neumann-Cosel, eine der Organisatorinnen der Proteste. Trotzdem wertete sie die Aktion als Erfolg: "Wir haben gezeigt: Wenn ihr am Atom-Ausstieg rüttelt, gibt's ernsthaft Ärger".

Und die Atomkraft-Gegner wollen ihren Widerstand gegen den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke und den möglichen Bau eines Endlagers in Gorleben sogar deutlich verschärfen. Die Proteste sollen in den kommenden Monaten nicht an die Standorte der Reaktoren und der Atommülllager, sondern auch an die "Zentralen der Energiekonzerne", getragen werden, heißt es in einer am Sonntag in Hitzacker verbreiteten Abschlusserklärung eines bundesweiten Treffens von Anti-Atom-Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet.