Zusatzgewinne investieren

Atombranche schlägt Bündnis mit Ökostrom-Anbietern vor

Die AKW-Betreiber in Deutschland warnen vor akuten Engpässen in der Stromversorgung. Um eine vorzeitige Abschaltung deutscher Kernkraftwerke zu vermeiden, schlägt die Atombranche Ökostrom-Anbietern ein Bündnis vor und will einen Teil der Zusatzgewinne aus längeren Laufzeiten in erneuerbare Energien investieren.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - "Wenn es beim Atomausstieg bliebe, würden schon in der nächsten Legislaturperiode sieben der 17 deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet", warnt der Präsident des Deutschen Atomforums, Walter Hohlefelder, in der Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe). Das seien fast zehn Prozent der Stromproduktion. "Damit würde die Versorgungssicherheit massiv gefährdet, die Klimaschutzziele nicht erreicht", sagte Hohlefelder.

Zusatzgewinne in Ökostrom investieren

Auf der Jahrestagung Kerntechnik, die am Dienstag in Dresden beginnt, will der Präsident des Deutschen Atomforums deshalb den Anbietern von Ökostrom eine "Allianz" vorschlagen. Laut seinem der "Welt" vorliegenden Redemanuskript erklärt sich der oberste Atomkraft-Lobbyist bereit, unmittelbar nach der Bundestagswahl über einen "politischen Preis" für die Laufzeitverlängerung der deutschen Reaktoren zu verhandeln. Offenbar wolle sich die Atomindustrie bereit erklären, einen Teil ihrer Zusatzgewinne aus einer Laufzeitverlängerung für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Effizienzsteigerung zur Verfügung zu stellen, schreibt die "Welt".

Branche will alte Meiler nicht abschalten

Der Forderung nach einer vorgezogenen Abschaltung älterer Meiler, die unter anderen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erhoben wird, erteilte der Präsident des Atomforums eine Absage: "Wenn jemand meint, die sieben Kernkraftwerke, die bis 2013 anstehen, abschalten zu sollen, um auf dieser Basis eine Laufzeitverlängerung der jüngeren Anlagen zu ermöglichen, wird er in uns keinen Verhandlungspartner finden."

Bundesumweltminister Sigmar Garbiel wirft dem Atomfourm Panikmache vor: "Dass ohne Atomstrom die Lichter ausgehen, gehört zu den ältesten Propagandamärchen der Atomlobby." Es gibt jedoch keine Stromlücke in Deutschland, so der Minister. Zudem spiele die Atomkraft für die Klimaschutzziele keine Rolle.