Pro und Contra

Atomausstieg: Topmanager dafür, Industrie nicht

Deutschlands Top-Manager fordern einer aktuellen Umfrage zufolge zu 91 Prozent den Atomausstieg; 70 Prozent halten das AKW-Moratorium für politisch movitiert. Demgegenüber warnt BDI-Chef Keitel vor einem "vorschnellen Ausstieg" aus der Atomkraft und sieht den Wohlstand gefährdet.

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Düsseldorf/Hamburg (red) - Deutschlands Führungskräfte halten Atomkraft in Deutschland für verzichtbar und unterstellen der Bundesregierung bei ihrer Moratoriumsentscheidung vor allem Wahltaktik. Ehrliche Sicherheitsbedenken nimmt der Politik hingegen kaum noch ein Manager ab. Das sind Ergebnisse des 22. LAB Managerpanels im Rahmen einer Blitzumfrage unter 359 deutschen Führungskräften, durchgeführt von der LAB & Company unmittelbar nach den Landtagswahlen vom Wochenende.

Danach fordern 91 Prozent der Führungskräfte einen Atomausstieg. 40 Prozent verlangen diesen sogar schnellstmöglich oder sofort. Und nur neun Prozent halten Atomkraft für einen notwendigen Grundpfeiler der deutschen Energieversorgung. Hinsichtlich der Moratoriumsentscheidung unterstellen 70 Prozent der Befragten Bundeskanzlerin Angela Merkel vor allem wahltaktische Motive. Viele Umfrageteilnehmer sehen in einer neuen Atompolitik auch eine große Chance für die deutsche Wirtschaft.

BDI-Präsident fürchtet um den Wohlstand

Gänzlich anders argumentiert Hans-Peter Keitel. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) hat vor einem vorschnellen Ausstieg aus der Kernenergie gewarnt. Mit Blick auf das Atom-Moratorium der Bundesregierung für sieben Kernkraftwerke sagte er dem Magazin stern: "Ich halte es für sportlich, wenn man nach 48 Stunden eine fertige Meinung hat." Seiner Ansicht nach könnte eine überstürzte Energiewende den Wohlstand hierzulande gefährden.

"Wir müssen unglaublich aufpassen, dass in der Diskussion um die Atomenergie unser wirtschaftlicher Erfolg nicht unter die Räder kommt", sagte Keitel. Ein konkretes Datum für einen Atomausstieg wollte er nicht nennen. Es sei "vermessen, heute ein exaktes Jahr zu nennen", so der Manager. Noch seien viele Probleme der erneuerbaren Energien ungelöst, so fehlten etwa Leitungen und Stromspeicher.