Geschäftszahlen

Atomausstieg: Druck auf RWE und EnBW steigt

Der Atomausstieg macht den großen Energiekonzernen in Deutschland immer mehr zu schaffen. Auch die Quartalszahlen von RWE und EnBW sehen diesmal nicht gerade rosig aus. In den ersten neun Monaten dieses Jahres brach das Nettoergebnis von Deutschlands größtem Stromproduzenten RWE um mehr als 46 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro ein.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Karlsruhe/Essen (dapd/red) - Neben der Energiewende belasteten auch sinkende Strompreise und anhaltende Probleme im Gasgeschäft das Ergebnis, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Eine schnelle Wende zum Besseren ist nach Einschätzung des RWE-Chefs Jürgen Großmann nicht zu erwarten. "Auch die kommenden Jahre werden schwierig für uns", sagte er. Dennoch sei er optimistisch, dass es RWE gelingen werde, "die vor uns liegende Talsohle zügig zu durchqueren."

RWE-Chef zeigt sich optimistisch

Schließlich kann der Konzern im sich anbahnenden Rechtsstreit um die Energiewende auf erste Erfolge verweisen. Gleich zwei deutsche Finanzgerichte äußerten kürzlich Zweifel an der Rechtmäßigkeit der von der Bundesregierung eingeführten Kernbrennstoffsteuer. RWE seien bereits geleistete Steuerzahlungen zurückerstattet worden, teilte der Konzern mit. Doch dürfte dieses Verfahren nur der Auftakt zu weit schwerer wiegenden juristischen Scharmützeln sein. RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig sagte am Donnerstag, der Konzern werde wahrscheinlich auch die entschädigungslose Verkürzung der Reaktorlaufzeiten nicht widerspruchslos hinnehmen.

Hoffnung auch im Gasgeschäft

Auch beim zweiten großen Sorgenkind des Konzerns, dem Gasgeschäft, sieht RWE inzwischen erste Hoffnungszeichen. Es sei erstmals gelungen, drei große internationale Öl- und Gasunternehmen zum Verzicht auf die umstrittenen Preisklauseln zu bewegen, die den Gaspreis an den Ölpreis koppeln. Die Verträge seien entweder einvernehmlich beendet oder auf eine Marktpreisbindung umgestellt worden, sagte Pohlig. Dies sei für RWE ein strategisch wichtiger Durchbruch.

Der Gewinneinbruch bei RWE ist umso bemerkenswerter, weil die Umsätze mit gut 38 Milliarden Euro fast stabil blieben. Mit Blick auf das Gesamtjahr hält RWE an seiner bisherigen Prognose fest, wonach das operative Ergebnis (Ebitda) um rund 20 Prozent, das betriebliche Ergebnis um rund 25 Prozent und das nachhaltige Nettoergebnis um rund 35 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen sollen.

EnBW macht deutliches Minus

Trotz steigender Umsätze wies auch der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW in den ersten neun Monaten 2011 einen Fehlbetrag von 551,9 Millionen Euro aus, nach einem Gewinn von 1,25 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Der Umsatz stieg um 6,3 Prozent auf 13,76 Milliarden Euro. Der Stromabsatz legte um 6,4 Prozent zu, der Gasabsatz um mehr als 13 Prozent.

Zahlreiche Gründe für die Verluste

Gründe für die Verluste sind unter anderem die Stilllegung zweier Atomkraftwerke sowie die neu eingeführte Kernbrennstoffsteuer. Neben dem Atomausstieg schlugen bei der EnBW allerdings auch weitere Faktoren negativ zu Buche. Der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis sagte, im dritten Quartal hätten die Turbulenzen an den Finanzmärkten weitere Abschreibungen auf Beteiligungen und Wertpapiere notwendig gemacht. Bei der EWE musste der Konzern Wertberichtigungen in Höhe von fast 300 Millionen Euro vornehmen, bei der EVN waren es 245 Millionen Euro.

Von der EWE droht zudem weiterer Ärger. Das norddeutsche Energieunternehmen drängt die EnBW zum Kauf eines 1,5 Milliarden Euro teuren Aktienpakets des Gasunternehmens VNG. Die EnBW hält 26 Prozent an den Oldenburgern und hat sich nach Darstellung der EWE auch zum Kauf von 48 Prozent an ihrer Beteiligung VNG verpflichtet. Die EnBW spricht lediglich von einer Option.

Die Belastungen wirken sich auch auf die Verschuldung bei EnBW aus. Die bereinigten Nettoverbindlichkeiten stiegen um zehn Prozent auf nun fast neun Milliarden Euro. Der Konzern reagiert, wie bereits im Sommer angekündigt, mit einem Sparprogramm und dem Verkauf von Beteiligungen, Investitionen wurden zurückgefahren.