Abschaltung

Atomausstieg beginnt: Tschüss Stade!

E.ON-Vorstandsmitglied Walter Hohlefelder und der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander wollen heute den Schalter umlegen und das Atomkraftwerk Stade nach 32-jähriger Betriebszeit abschalten. Damit beginnt in Deutschland der im Juni 2001 von Bundesregierung und Energiewirtschaft vereinbarte Atomausstieg.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Der vor dreieinhalb Jahren in Deutschland beschlossene Ausstieg aus der Kernkraft beginnt heute in Niedersachsen: Das E.ON-Kraftwerk Stade wird nach 32-jähriger Betriebszeit abgeschaltet. Es ist der erste regulär betriebene Reaktor, der stillgelegt wird. Das bereits inaktive AKW Mülheim-Kärlich war seit seinem Bau in den achtziger Jahren ein Problemreaktor, der nur 13 Monate im Probebetrieb lief.

Juni 2001: Ausstieg beschlossen

Nach zähen und langwierigen Verhandlungen hatten sich Bundesregierung und Energiewirtschaft im Juni 2001 auf einen Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie geeinigt, der am 26. April 2002 im "Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung" verankert wurde. Seitdem dürfen in Deutschland keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden. Die Regellaufzeit der bestehenden Atomkraftwerke wurde auf 32 Jahre begrenzt, daraus werden die Reststrommengen berechnet. Hat ein Kraftwerk diese Menge erreicht, muss es stillgelegt werden. Die Betreiber haben jedoch die Möglichkeit, die Reststrommengen auf andere Kraftwerke zu übertragen und können so - wie das Beispiel Stade belegt - die unwirtschaftlichen Reaktoren früher abschalten.

Das Gesetz untersagt zudem die Wiederaufarbeitung radioaktiver Abfälle ab Juli 2005. Ab diesem Zeitpunkt wird es keine Castor-Transporte mehr geben. Stattdessen sollen Zwischenlager an den Kraftwerksstandorten errichtet werden.

Stade seit 1972 in Betrieb

Das Atomkraftwerk (AKW) Stade war seit 1972 in Betrieb. Es ist nach dem AKW Obrigheim, welches seit 1968 läuft, der zweitälteste Reaktor in Deutschland. Mit einer Leistung von 660 Megawatt war Stade immerhin das größte Kenkraftwerk mit einem Druckwasserreaktor in Deutschland. Entsprechend der im Atomkonsens vereinbarten Restlaufzeiten für jedes einzelne Kraftwerk hätte es bis 2004 am Netz bleiben können. Betreiber E.ON nannte für die vorzeitige Abschaltung vorallem wirtschaftliche Gründe, die verbleibende Reststrommenge wird E.ON auf ein anderes Kraftwerk übertragen. Schon seit den 80er Jahren gilt Stade als "Schrottreaktor" mit diversen Sicherheitsmängeln.

Rückbau ab 2005

Der Rückbau des nuklearen Teils, für den E.ON etwa 500 Millionen Euro zurückgelegt hat, soll frühestens 2005 beginnen, wenn alle abgebrannten Brennelemente abtransportiert sind. Gegen die Genehmigung, die das niedersächsische Umweltministerium im kommenden Jahr erteilen will, gibt es diverse Einwendungen von Anwohnern, die eine radioaktive Belastung der Gegend befürchten. Diese Einwendungen richten sich auch gegen die Genehmigung des Zwischenlagers, das den Atommüll 40 Jahre lang beherbergen soll.

Kein Grund zum Feiern?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) indes sieht in dem heutigen Abschalten von Stade keinen Grund zum Feiern. Renate Backhaus, Atomexpertin im BUND-Bundesvorstand: "Jedes abgeschaltete Atomkraftwerk ist besser als ein Laufendes. Bei einem Abgeschalteten kann zumindest kein schwerer Störfall mehr eintreten. Der Trick mit der Strommengenübertragung führt aber dazu, dass andere gefährliche Reaktoren länger laufen können. So ist die Abschaltung des alten und unsicheren Reaktors in Obrigheim verzögert worden, indem eine Strommenge in Höhe von 5500 Gigawattstunden vom AKW Philippsburg auf diesen Reaktor übertragen wurde. Wir wollen die Beschleunigung des Atomausstiegs, nicht seine Verzögerung."