Vattenfall

Atomaufsicht lehnt neue Chefin des Atomkraftwerks Krümmel ab

Wegen fehlender Qualifikation hat die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein die vom Vattenfall-Konzern als künftige Chefin des Atomkraftwerks Krümmel vorgesehene Ingenieurin Ulrike Welte abgelehnt. Sie habe nicht die nötige Erfahrung, um Leiterin eines Kernkraftwerkes zu sein.

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Kiel (afp/red) - "Es ist Frau Welte bislang nicht gelungen, die fehlende praktische Erfahrung im Produktionsbereich hinreichend zu kompensieren", erklärte der für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) am Donnerstag in Kiel. Praktische Erfahrung sei aber eine zwingende Voraussetzung dafür, dass Welte Kraftwerksleiterin werden könne.

Schmalfuß erklärte, "im Interesse der Sicherheit" habe die Atomaufsicht nicht anders entscheiden können. "Denn es entspricht dem aktuell von den Atomexperten des Bundes und der Länder festgestellten Standard, dass der Leiter eines Kernkraftwerkes grundsätzlich eine Fachkundeprüfung für Schichtleiter in einem Kernkraftwerk bestanden haben muss. Dies ist bei Frau Welte nicht der Fall." Seit über einem Jahr habe die Atomaufsicht deutlich gemacht, dass es Welte an der Qualifikation fehle. "Es liegt nun an Vattenfall, einen neuen Vorschlag zu machen. Aus meiner Sicht darf das Kernkraftwerk Krümmel erst wieder ans Netz gehen, wenn es eine neue Leiterin oder einen neuen Leiter hat."

Vattenfall erklärte, die Bestellung Weltes sei noch nicht förmlich abgelehnt worden. Sobald der Bescheid vorliege, werde dieser aber geprüft und versucht, gemeinsam mit der Behörde doch noch zu einer Lösung zu kommen. "Wir streben die Bestellung einer Anlagenleitung in vollständigem Einvernehmen mit der Aufsichtsbehörde an", erklärte eine Konzernsprecherin.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, erklärte, die Nichtberufung Weltes wecke neue Zweifel an der Zuverlässigkeit Vattenfalls als Betreiber. "Statt auf Sicherheit und Gründlichkeit zu achten, hat Vattenfall wegen klammer Kassen offenbar nur noch das Ziel, seine zwei Pannen-Meiler im Crash-Kurs zurück ans Netz bringen." Es sei eine gute Entscheidung der Atomaufsicht. "Vattenfall sollte Krümmel endlich vom Netz nehmen." Das AKW Krümmel an der Elbe nahe Hamburg steht seit dem Brand eines Transformators im Jahr 2007 fast durchgängig still.