Vorsorge

Atom-Gefahr: Belgien will Jod-Tabletten verteilen

Belgien will im kommenden Jahr Jod-Tabletten an Bürger ausgeben, die im Umkreis von 100 Kilometern um ein Atomkraftwerk leben. Diese sollen im Ernstfall die Aufnahme radioaktiven Jods hemmen. Nun will auch das nahe gelegene Aachen solche Tabletten.

Laufzeitverlängerung© Gabriele Rohde / Fotolia.com

Brüssel/Aachen – Nach der Ankündigung Belgiens, im nächsten Jahr Jod-Tabletten zum Schutz vor Strahlung an die Bevölkerung auszuteilen, wird dies auch in der Region Aachen gefordert. Städteregionsrat Helmut Etschenberg will den Innenminister Nordrhein-Westfalens, Ralf Jäger (SPD), bitten, der Verteilung der bereits eingelagerten Tabletten an alle bis 45 Jahre alten Einwohner zuzustimmen. Der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital kommentierte die beabsichtige Pillen-Ausgabe so: "Jodtabletten schützen etwa so gut vor einem Reaktorunfall wie ein Cocktailschirmchen vor einem Wolkenbruch."

Belgien scheint um Sicherheit von AKW besorgt

Etschenberg betonte, die belgische Entscheidung bestätige die Sorgen im Raum Aachen. "Offensichtlich gibt es nun auch auf belgischer Seite erhebliche Vorbehalte, was die Sicherheit der Kraftwerksblöcke betrifft." In Deutschland gibt es Zweifel an der Sicherheit der Atomkraftwerke Doel in der Nähe von Antwerpen und Tihange bei Lüttich, das etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt liegt.

Jäger hält allerdings nichts von einer Vorabverteilung von Jod-Tabletten. Im Ernstfall wüssten die Menschen möglicherweise nicht, wo die Tabletten seien. Zudem müssten sie zu einem bestimmten Zeitpunkt eingenommen werden, um zu wirken, sagte der Innenminister der Deutschen Presse-Agentur.

Jodvorsorge soll ausgeweitet werden

Nach dem Willen des belgischen Gesundheitsministeriums soll die Jodvorsorge ausgeweitet werden. Betroffen seien dann alle Bürger in einem Umkreis von 100 Kilometern um ein Atomkraftwerk, sagte eine Sprecherin der Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel und bestätigte einen Bericht der Tageszeitung "La Libre Belgique." Bisher werden die Tabletten nur in einem Umkreis von 20 Kilometern verteilt. Die Folgen der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima hätten gezeigt, dass ein größerer Bereich nötig sein, um die Bevölkerung besser zu schützen, sagte die Sprecherin.

Wie hilft Jod gegen Strahlung?

Radioaktiv verseuchtes Jod kann durch Einatmen, Lebensmittel oder Wasser in den Körper gelangen. Setzen sich Kernspaltungsprodukte in der Schilddrüse fest, können sie schwere Krankheiten wie Krebs auslösen. Werden Jod-Tabletten frühzeitig eingenommen, können sie die Aufnahme radioaktiven Jods blockieren.

Smital von Greenpeace forderte Belgien zu einer Abschaltung der Meiler auf. "Es ist absurd, dass Belgiens Regierung lächerliche Präventivmaßnahmen einleitet, statt das einzig wirklich wirksame Mittel gegen Nuklearunfälle zu ergreifen - den Atomausstieg", sagte er.

Quelle: DPA