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Atom-Experte: Deutsche Atomkraftwerke sind veraltet

Die deutschen Atomkraftwerke sind nach Ansicht des Reaktor-Experten des Öko-Instituts, Michael Sailer, veraltet. Des Weiteren gehe der Experte davon aus, dass die Kosten für eine etwaige Nachrüstung je nach Anlage bis in die Milliarden gehen und bauliche Veränderungen Jahre dauern könnten.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - "Lediglich zum Zeitpunkt der Genehmigungserteilung wird ein deutsches Kernkraftwerk daraufhin überprüft, ob es dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht. Und das ist bei unseren Kraftwerken zwischen 22 und 37 Jahre her", sagte Sailer im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Würde man heute ein Atomkraftwerk neu errichten, müssten andere Maßstäbe an die Sicherheitseinrichtungen angelegt werden.

Kosten für Nachrüstungen in Milliardenhöhe

Sailer geht davon aus, dass die Kosten für etwaige Nachrüstungen je nach Anlage "bis in die Milliarden" gehen könnten. Auch könnten eventuelle bauliche Veränderungen an den Kraftwerken Jahre dauern. Es sei daher die Entscheidung der Betreiber der Kraftwerke, ob sich dies für sie überhaupt rechne.

Bericht über die Sicherheit der Atomanlagen

Sailer gehört der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) an, die derzeit die deutschen Atomkraftwerke auf ihre Sicherheit überprüft. Bis Mitte Mai will die Kommission Bundesumweltminister Norbert Röttgen einen Bericht über die Sicherheit der Anlagen übergeben. Sailer räumte ein, dass der Zeitplan für die Klärung von mehreren hundert Fragen "knapp bemessen" sei. "Auf der anderen Seite hat die Gesellschaft und auch die Politik ein Recht, baldmöglichst Antworten zu erhalten, wie es um die Sicherheit der Kraftwerke bestellt ist", sagte er.

Größte Schwachstelle von Atomkraftwerken

Die Reaktor-Katastrophe in Fukushima habe gezeigt, dass schwere atomare Unfälle nicht auszuschließen seien. Als größte Schwachstelle von Atomkraftwerken bezeichnete Sailer die Kühlung und die Notwendigkeit einer stabilen Stromversorgung. Er gab außerdem zu bedenken, "dass bei einer so komplexen Technologie, die keinen Fehler verzeiht, der Faktor Mensch ein Sicherheitsproblem darstellt". Beim Konstruieren, beim Bedienen und beim Warten könnten Fehler unterlaufen, die sich nicht verhindern ließen. "Die Gesellschaft muss jetzt entscheiden, welches Risiko sie bereit ist zu tragen", betonte Sailer.