Weiterer Skandal

Asche von verstrahlten Arbeitern in Atommülllager Asse

Im Atommülllager Asse lagert neben radioaktiven Altlasten und Giftmüll offenbar auch Asche von menschlichen Leichenteilen. Wie mehrere Medien berichteten, stammt sie von zwei Technikern, die 1975 bei einem AKW-Unfall tödlich verunglückt waren. Teile der Leichen seien nach dem Unfall auf Radioaktivität untersucht und dann als "klinischer Abfall" in der Asse entsorgt worden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Braunschweig/Hannover (ddp-bay/red) - Wie das Magazin "Stern" berichtet, landete die Asche der zwei verunglückten Arbeiter in Fässern in der Asse. Sie hatten am 19. November 1975 im Kernkraftwerk Gundremmingen in Bayern zwei Ventile reparieren sollen. Dabei war explosionsartig ein radioaktives Dampf-Wasser-Gemisch ausgetreten, das die beiden 34 und 46 Jahre alten Arbeiter tödlich verbrühte.

Bei der Obduktion wurden laut "Stern" Leichenteile abgetrennt und auf Radioaktivität untersucht. Dann seien die Leichen in Zinksärge eingelötet worden, ohne dass die Angehörigen sie noch hätten sehen dürfen. Die Strahlung an der Sargoberfläche war den Angaben zufolge aber so gering, dass die Männer sechs Tage später beerdigt wurden. Die Leichenteile wurden im Kernforschungszentrum Karlsruhe verbrannt, die Asche wurde später in die Asse gebracht.

Göttle: Leichen waren nicht verstrahlt

Der Präsident des bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU), Albert Göttle, erläuterte auf ddp-Anfrage, dass die Gundremminger Opfer nicht verstrahlt gewesen seien. Die Strahlungswerte seien zwar etwas erhöht gewesen, allerdings innerhalb des zulässigen Grenzbereichs. Die Staatsanwaltschaft habe die Entnahme der Leichenteile zur Ermittlung der Todesursache veranlasst. Göttle bezeichnete es als "abwegig" zu glauben, dass die Leichenteile stärker verstrahlt seien als die Körperoberfläche.

Der "Braunschweiger Zeitung" bestätigten Landtagskreise, dass im Frühjahr 1976 der Asse zwei Blechkisten aus Neuherberg - dem Sitz der früheren Asse-Betreibergesellschaft für Strahlenforschung und heutigem Helmholtz Zentrum München - angeliefert worden seien. Darin soll sich die Asche der beiden Schlosser befunden haben.

BfS: Noch kein Beweis gefunden

Ein Sprecher des Helmholtz Zentrums bestätigte, dass der Unfall stattfand und den Leichen Teile entnommen wurden. Ob diese in der Asse landeten, konnte er nicht sagen. Dies sei aber "möglich", sagte er. Der jetzige Betreiber der Asse, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), durchforstet derzeit die Akten. "Wir haben bisher noch keinen eindeutigen Beleg gefunden", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er fügte hinzu: "Sollte es wirklich zutreffen, täten mir in erster Linie die Angehörigen leid."

Die Grünen im bayerischen Landtag forderten Umweltminister Markus Söder (CSU) auf, Klarheit darüber zu schaffen, ob tatsächlich eingeäscherte Teile menschlicher Leichen in der Asse lagern. Den Angaben zufolge beteuerte die damalige Staatsregierung nach dem Unfall, dass es sich bei den Todesfällen in Gundremmingen nicht um Strahlenopfer handelte.

Die absolut unwürdige Entsorgung in einem Atommüllendlager sei nach dieser offiziellen Unbedenklichkeitserklärung der Staatsregierung in keinster Weise zu begründen. "Es sei denn, die radioaktive Belastung der beiden Opfer und damit das Risiko einer normalen Erdbestattung waren wesentlich dramatischer, als die Staatsregierung damals offiziell zugeben wollte", sagte der energiepolitische Fraktionssprecher Ludwig Hartmann.