Ares erwägt Schadensersatzklage gegen Stadtwerke

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Die Berliner Ares Energie AG hat angekündigt, in den kommenden Wochen Schadensersatzklagen gegen Stadtwerke einzureichen, die den Wettbewerb in ihrem Versorgungsgebiet "torpedieren" und Ares daran hindern würden, Kunden mit günstigerem Strom zu versorgen. Ares-Pressesprecherin Oda Dridi-Dörffel gegenüber dem Strom-Magazin: "Manche arbeiten wirklich mit den merkwürdigsten Tricks".


Aktueller Streitfall ist Wernigerode, "die bunte Stadt im Harz" (Eigenwerbung). Ebenda haben zwei Verbraucher zum 1. August dieses Jahres von den Stadtwerken zur Ares Energie wechseln wollen - das aber ist gründlich misslungen, denn nach einer vorübergehenden Kündigung des Vertrags sind beide Kunden erneut vertraglich an die Stadtwerke gebunden. "Ares hat die weitere Versorgung nicht sichergestellt", verteidigt Oliver Ritzka, Jurist der Stadtwerke, den Umstand, dass man die Verbraucher nicht einfach so habe wechseln lassen können. Ähnlich hatte vor gut drei Wochen Stadtwerke-Vertriebsleiter Dr. Reiner Gerloff gegenüber der "Harzer Volksstimme" (Ausgabe vom 20. Juli) argumentiert: Wenn der Durchleitungsvertrag zustande komme, könne der Strom fließen - jedoch könnten die Stadtwerke dann nicht mehr die Versorgung garantieren. "Wir kaufen dann die bisher von diesen beiden Wernigerödern bezogene Strommenge nicht mehr ein", wird Dr. Gerloff von der Lokalzeitung zitiert. Oliver Ritzka wiederum gegenüber dem Strom-Magazin: "Ohne vertragliche Regelung ist keine Kundenbelieferung möglich - und derzeit besteht keine Regelung".


"Wir haben die Durchleitungsverhandlungen überhaupt nicht aufnehmen können, weil uns die Stadtwerke weder auf Briefe noch auf Faxe oder sonstige Kontaktversuche geantwortet haben", stellt demgegenüber Oda Dridi-Dörffel für die Ares Energie klar. Vielmehr hätten die Stadtwerke den wechselwilligen Kunden mit einem Lieferstopp gedroht und sie - "quasi mit der Hand am Stromschalter" - gezwungen, neue 1-Jahres-Verträge abzuschließen.


Eigenen Angaben zufolge ist die Ares Energie AG als Stromhändler bundesweit an rund 60 Gebiete angeschlossen. Probleme würde es nur vereinzelt geben, beispielsweise in der bayerischen Landeshauptstadt München, wo sich ebenfalls alles um die Durchleitung dreht. Ungeachtet dessen ist ein Anklageentwurf in Arbeit, mit dem die Ares Energie in die Offensive gehen will. Jedoch: "Wir brechen nichts übers Knie", so die Ares-Sprecherin.


Am Dienstag der kommenden Woche, 17. August, ist der Streitfall Thema bei WISO, dem Verbrauchermagazin des ZDF. Seit der vergangenen Woche sind das Strom-Magazin und WISO übrigens Web-Partner: Auf den Internet-Seiten von WISO zum Themenkomplex Strom finden sich unsere Kommentare zu den Angeboten der bundesweiten Anbieter sowie zahlreiche Stromspartipps.


Thomas Liebau