Endlager

ARD-Magazin GLOBUS: Schacht Konrad statt Gorleben?

Heute um 21.45 Uhr sendet das Erste sein Magazin "GLOBUS". Darin spricht sich der renommierte Geologe und Endlagerforscher Prof. Klaus Duphorn gegen Gorleben als Endlager aus und schlägt stattdessen den Schacht Konrad vor.

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Der renommierte Geologe und Endlagerforscher Prof. Klaus Duphorn spricht sich im ARD-Magazin "GLOBUS - Aus Forschung und Umwelt", das heute um 21.45 Uhr gesendet wird, dafür aus, den in der Nähe von Salzgitter liegenden "Schacht Konrad" künftig auch als Endlager für hochradioaktiven Müll zu nutzen. Nach Abwägung aller weltweit bislang diskutierten Endlageroptionen empfiehlt er, den Standort Gorleben endgültig aufzugeben und stattdessen auf Schacht Konrad zu setzen.


14 000 Tonnen hochradioaktiver Müll werden bis zum Ende des Atomausstiegs etwa im Jahr 2022 in Deutschland angefallen sein. Und dieser muss dann für gut hunderttausend Jahre sicher aufbewahrt werden. Nur wo? Als die rot/grüne Bundesregierung vor knapp zwei Jahren die Erkundung des Salzstocks Gorleben stoppte, wurden Gorleben-Befürworter ausdrücklich beruhigt: Es lägen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass der Standort nicht für das geplante Endlager geeignet sei. Tatsächlich aber ist Deutschland der einzige Staat weltweit, der noch an Salzgestein als Lagerstätte für Atommüll festhält. Allerdings derzeit auch nur noch auf dem Papier: Ein von der Bundesregierung eingesetzter "Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlager" soll im Lauf der kommenden Jahre noch einmal alle Forschungsarbeiten sichten und dann ein Kriterienkatalog erarbeiten, nach dem das künftige Endlager auszusuchen sei. Neben verschiedenen Vertretern der Atomwirtschaft sind in diesem Gremien auch kritische Stimmen vertreten, neben Michael Sailer vom Öko-Institut zum Beispiel auch Prof. Klaus Duphorn, der seit Jahrzehnten überwiegend im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung als Gutachter zu Gorleben tätig war.


Er hält Gorleben prinzipiell für ungeeignet: "Unglücklicherweise, das haben unsere Bohrungen ergeben, ist die Tondecke über dem Salzstock auf einer Fläche von viereinhalb Quadratkilometern, einer großen Fläche also, von einem Gletscher des nordischen Inlandeises, abgehobelt worden. Das heißt, dass dort grundwasserführende Sande und Kiese direkt auf der Oberfläche des Salzstockes liegen." Ein an der Decke von Wasser angenagter Salzstock ist schon nach offiziellen Kriterien bestenfalls weniger geeignet. Doch es gibt auch prinzipielle Einwände gegen Salz. Das Natriumchlorid kann sich unter radioaktiver Bestrahlung in Natrium und Chlor trennen, bei Wärme- oder Wasserzufuhr ist das entstehende Gemisch dann ausgesprochen explosiv. Außerdem sind Salzstöcke nicht so homogen, wie deren Befürworter das oft darstellen, so schildert etwa Professor Duphorn eine Explosion im nicht unweit von Gorleben gelegenen Schaft Glückauf, bei der 1954 zwölf Bergleute getötet wurden, nachdem durch eine Spalte im Steinsalz Methan eingedrungen war. Daran wird laut Duphorn deutlich, dass auch in Salz jederzeit Wasser eindringen kann, was für ein Endlager katastrophale Folgen hätte.


In anderen Ländern wurde lange Granit intensiver erforscht. Es ist hart, wasserundurchlässig und schirmt Strahlung gut ab. Gerade durch seine Härte bricht es jedoch bei tektonischen Spannungen ausgesprochen leicht, so dass in der Praxis fast alle harten Gesteine von Rissen durchzogen sind, durch die schließlich doch Grundwasser eindringen kann. Die Schweiz hat deshalb ihre fast 20 Jahren dauernden Versuche im Felslabor Grimsel mittlerweile ad acta gelegt. Zumindest im europäischen Rahmen wird mittlerweile eindeutig Tongestein bevorzugt. Es ist absolut wasserdicht. Eventuell vorhandene Risse werden vom Ton selbsttätig wieder geschlossen - und das Gestein kann in gewissem Ausmaß sogar langfristig Teile des Atommülls chemisch binden, mineralisieren. Professor Duphorn teilt die Vorliebe der Schweizer für dieses Gestein: "Wir haben das Schweizer Labor im Tongestein mit dem Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlager in der letzten Woche des März besichtigt und das war überzeugend". Während die Schweiz nun in der Nähe des Bodensees, am Wellenberg und in Benken je ein Lager für mittel- und hochaktiven Müll im Tongestein plant, haben auch die Deutschen bereits intensive Erfahrungen mit Tongestein sammeln können: im Schacht Konrad bei Salzgitter, der in den vergangenen Jahren zum potentiellen Lager für mittelaktiven Müll ausgebaut wurde. Professor Klaus Duphorn würde dem Standort auch hochaktiven Müll anvertrauen: "Die Schweitzer Tonformation hat eine Mächtigkeit von einhundert Metern. Die Ton- und Tonmergelschichten in denen der Schacht Konrad steht, haben eine Mächtigkeit von 400 Metern. So eine gute geologische Gesamtsituation habe ich noch an keiner anderen Stelle der Welt gesehen."