Eröffnung

Archiv zur Erinnerung an abgebaggerte Orte in der Lausitz

Ein "Archiv der verschwundenen Orte" ist am Samstag im Forster Stadtteil Horno anlässlich des 9. Gedenktages für die abgebaggerten Dörfer in der Lausitz eröffnet worden. Es enthält Dokumente über 136 Orte und 27 Kirchen, die dort seit 1922 der Braunkohleförderung weichen mussten.

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Forst (ddp-lbg/sm) - Wie der stellvertretende Geschäftsführer des Bundes der Sorben, Domowina, Harald Konzack, bei der Eröffnung sagte, verloren mehr als 25 000 Menschen dadurch ihre Heimat. Hornos Ortsbürgermeister Bernd Siegert fügte hinzu: "Die Ansiedlung des 'Archivs der verschwundenen Orte' in Horno ist eine Homage an den 25 Jahre währenden Kampf um das deutsch-sorbische Dorf".

Das 130 Quadratmeter große und rund 400 000 Euro teure Dokumentationszentrum entstand auf Initiative der Domowina. Unterstützt wurde der Archiv-Aufbau auch vom Energiekonzern Vattenfall, der Stiftung Horno und der Stadt Forst. Der Gedenktag geht auf einen Beschluss des Domowina-Bundesvorstands aus dem Jahr 1997 zurück. Anlass war die Entscheidung des Brandenburger Landtags zur Abbaggerung von Horno.

Detlev Dähnert von der Vattenfall Europe Mining AG wies darauf hin, dass sein Unternehmen mit dem neuen Dokumentationszentrum in Horno eine Verpflichtung erfüllt habe, die sich aus dem Brandenburger Braunkohlen-Grundlagengesetz und den Beschlüssen des Braunkohlen-Ausschusses ergeben habe. Auch Siegert begrüßte die Schaffung des Dokumentationszentrums. Zusammen mit dem Informationszentrum in der Hornoer Kirche und der Museumsscheune gebe es nun drei Orte der Erinnerung und Begegnung.

Im neuen Dokumentationszentrum können die Datenbanken der abgebaggerten Dörfer abgerufen werden. Dabei erhalten die Besucher ausführliche Informationen zur Geschichte der teilweise oder vollständig verschwundenen Orte, zu deren Bevölkerungsentwicklung, zu den sozialen Strukturen, zur Kultur und Sprache, aber auch zu Vereinen, Bräuchen, Schulen und zur Archäologie. Konzack kündigte an, dass die Einrichtung im ersten Halbjahr 2007 auch ein Sprachlabor erhalten werde, das die Vielfalt der in der Lausitz gesprochenen sorbisch-wendischen Sprache aufzeigen soll.

Bereits kurz nach der Eröffnung nutzten mehrere hundert von der Umsiedlung betroffene Menschen das "Archiv der verschwundenen Orte". Es kann künftig jeweils dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 17.00 Uhr sowie freitags bis sonntags und an Feiertagen von 14.00 bis 17.00 Uhr besucht werden.

Von Brita Beyer