Explosion

Aral empfiehlt Erdgas-Verkauf an Tankstellen zu stoppen

Nach einer Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule in Niedersachsen empfiehlt Aral den Tankstellenunternehmern den Verkauf von Erdgas einzustellen. In Deutschland gibt es etwa 190 Aral-Tankstellen, an denen auch Erdgas getankt werden kann.

ARALWeil die Umstände für eine Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule noch nicht geklärt sind, empfiehlt Aral den Verkauf vorsorglich einzustellen.© ARAL

Bochum - Die Tankstellenkette Aral hat nach einem Unfall mit einem VW-Erdgasauto vorsorglich einen Verkaufsstopp von Erdgas empfohlen. "Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Klärung der genauen Sachlage, um den Verkauf von Erdgas in Abstimmung mit dem jeweiligen Gasversorger zeitnah wieder zu ermöglichen", sagte ein Aral-Sprecher am Dienstag in Bochum. In Deutschland gebe es rund 190 Aral-Stationen mit Erdgaszapfsäulen. Zuvor hatte das Branchenmagazin "Motor-Talk" darüber berichtet.

Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule in Duderstadt

Der Aral-Sprecher begründete den Verkaufsstopp mit einer Explosion an einer Erdgas-Zapfsäule eines Gasversorgungs-Unternehmens an einer Aral-Tankstelle in Duderstadt in Niedersachsen. Dort war es am vergangenen Freitag zum Bersten eines Gastanks in einem VW Touran gekommen. Der Autofahrer war nach Polizeiangaben vom vergangenen Freitag schwer verletzt in eine Klinik gebracht worden.

"Da die Einzelheiten des genannten Vorfalls noch nicht abschließend geklärt sind, haben wir den Tankstellenunternehmern vorsorglich empfohlen, den Erdgasverkauf bis auf Weiteres einzustellen und umgehend Kontakt zu dem jeweiligen Erdgasversorger aufzunehmen", sagte der Aral-Sprecher.

Erdgasstopp auch an anderen Tankstellen?

Auch weitere Tankstellenkonzerne haben ihren Stationen und Pächtern empfohlen, vorübergehend kein Erdgas mehr zu verkaufen. Shell, Exxonmobil (Esso), Jet und Total erklärten in ähnlichen Stellungnahmen, sie räumten der Sicherheit Vorrang ein und rieten deshalb von der Betankung mit Erdgas ab. "Wir haben die Sicherheit natürlich (...) an oberste Position gerückt", sagte die Sprecherin von Exxon Mobil, Gabriele Radke, dem NDR-Magazin. "Das hat zur Folge, dass wir unsere Gasversorger bitten, vorläufig den Gasverkauf an den Esso-Tankstellen einzustellen."

Ein Total-Sprecher sagte, die Erdgassäulen seien gesperrt worden. Allerdings bleibe eine Betankung nach Rücksprache mit dem Tankstellenpersonal möglich - und zwar für alle Modelle, die nicht von dem Rückruf von Erdgasautos bei VW betroffen seien.

Ein VW-Sprecher sagte am Mittwoch, der Touran aus Duderstadt sei Teil eines aktuellen Rückrufes, die Nachbesserung des Wagens habe aber noch nicht stattgefunden. Er konnte keine Angaben dazu machen, ob der Hintergrund des Rückrufes bei dem Vorfall in Duderstadt eine Rolle spielte oder ob ein anderer Auslöser infrage komme. Bisher habe nur die Staatsanwaltschaft Zugriff auf das Auto, die VW-Experten nicht.

Erdgas-Zapfsäulen gehören meist den Erdgasversorgern

Laut "Motor-Talk" gehören die Erdgas-Säulen an den Aral-Tankstellen üblicherweise einem Erdgasversorger. Tankstellen mit einem Besitzer und Aral-Logo kümmern sich demnach selbst um den Kraftstoff - daher gibt es die "Empfehlung" der Zentrale. Insgesamt gebe es bundesweit rund 100.000 Erdgas-Fahrer und 900 Tankstellen mit Erdgas-Zapfsäulen.

VW-Rückrufaktion bei Erdgasautos

Bei Volkswagen läuft derzeit eine Rückrufaktion von Erdgasfahrzeugen. Dabei geht es um den vorsorglichen Tausch von Gasflaschen. Ende August hatte VW mitgeteilt, die Rückrufe auszuweiten. Betroffen sind insgesamt mehr als 35.000 Fahrzeuge der Modelle Caddy, Passat und Touran der Modell-Jahrgänge 2006 bis 2010.

Nach VW-Angaben könnte bei einigen Fahrzeugen die Außenhaut bei Beschädigungen nicht mehr den nötigen Korrosionsschutz bieten. Sinke die Wandstärke der Gasflaschen durch Korrosion, könne dies zum Bersten eines Gastanks und zu erheblicher Verletzungsgefahr führen. Bis zur Umrüstung sollten betroffene Modelle nur im Benzinbetrieb genutzt werden. Die Besitzer würden direkt von Volkswagen kontaktiert.

Volkswagen steckt wegen des Abgasskandals mitten in der größten Rückrufaktion der Konzerngeschichte. Alleine in Deutschland geht es um insgesamt 2,5 Millionen betroffene Dieselfahrzeuge.

Notfalls: Superbenzin tanken

Sogar primär auf Erdgas ausgelegte Autos lassen sich zur Not auch mit normalem Superbenzin fahren. Denn sie haben grundsätzlich zusätzlich noch einen Benzintank von etwa bis zu 15 Litern an Bord, erklärt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd in München. Das soll eigentlich die Mobilität sichern. Denn geht das Gas zur Neige, wird automatisch auf den Nottank umgestellt. Längere Strecken lassen sich so natürlich nur mit häufigen Tankstopps zurücklegen. Auch benötigten Erdgasautos gelegentlich etwas Benzin, zum Beispiel um im Winter bei tiefen Temperaturen starten zu können, sagt der Experte.

Quelle: DPA