Strom-News
Augenwischerei?Drei Institute hatten verschiedene Szenarien für Laufzeitverlängerungen der deutschen Akws von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren berechnet. Ein Anti-Atom-Bündnis hat nun davor gewarnt, diese Zahlen für bare Münze zu nehmen. In Wirklichkeit werde über Reststrommengen verhandelt und nicht über Jahreszahlen.
Hamburg/Gorleben (afp/ddp/red) - Das Kabinett will am 28. September ein umfassendes Energiekonzept einschließlich einer Laufzeitverlängerung beschließen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte seine Präferenz für kürzere Laufzeiten erkennen lassen, andere Unionspolitiker treten offensiv für eine deutliche Verlängerung ein.
(Foto / Abb.: ich / pixelio.de)Das Anti-Atom-Bündnis ausgestrahlt warnte unterdessen vor einer Täuschung durch die diskutierten Jahreszahlen bei den Laufzeiten. "Denn hinter den Kulissen wird nicht über Jahre verhandelt, sondern über Reststrommengen", erklärte ausgestrahlt-Sprecher Jochen Stay in Hamburg. Am Ende werde eine entscheidende Rolle spielen, wie hoch die jährlich produzierte Strommenge pro Reaktorblock angesetzt werde. Denn vor allem bei alternden Akw sei die durchschnittliche jährliche Stromproduktion wegen störfallbedingter Stillstandszeiten und der Konkurrenz durch erneuerbare Energien rückläufig und werde auch künftig weiter sinken.
Eine errechnete Jahreszahl bis zur Stilllegung der Kraftwerke entspreche also wahrscheinlich nicht der Realität, erklärte Atomkraftgegner Stay. "Da können aus einer behaupteten Laufzeitverlängerung von zehn Jahren schnell 15 oder mehr Jahre werden."
Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg warnte am Dienstag davor, in der politischen Debatte um längere AKW-Laufzeiten das bislang ungelöste Problem der Entsorgung hochradioaktiver Abfälle weiter auszublenden. Schon bislang seien in Deutschland rund 5000 Tonnen hochaktiven Mülls angefallen, die oberirdisch in Zwischenlagern aufbewahrt würden. Jährlich kämen 370 weitere Tonnen dazu.
Bleibe es bei dem im Jahr 2000 vereinbarten Atomausstieg, belaufe sich der Atommüllberg auf insgesamt 17.400 Tonnen. "Bei einer Verlängerung der Laufzeiten um zehn Jahre kämen 3700 Tonnen hinzu, bei einer Verlängerung um 20 Jahre gar 7400 Tonnen", sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Er kündigte an, die Anti-Atom-Bewegung werde das Thema Atommüllentsorgung in den Fokus der Auseinandersetzung rücken.
Der Newsletter von Strom-Magazin.de
Bekommen Sie kostenlos jeden Mittwoch aktuelle News vom Strom- und Gasmarkt direkt in Ihr Postfach! Jetzt anmelden:
Rückläufige Treibhausgas-Emissionen, aber auch mögliche Milliardenkosten für die Nachrüstung in die Sicherheit der Atomkraftwerke: Die Ergebnisse der Studie zu längeren Akw-Laufzeiten sind vielfältig - und lassen die unterschiedlichsten Interpretationen zu. Die Redaktion stellt die wichtigsten Punkte vor.
Das unveröffentlichte Experten-Gutachten zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken bringt einem Medienbericht zufolge das Thema Energie-Effizienz voran. Vorbild könnte der Emissionshandel sein. Laut dem Bericht könnte es auch eine verschärfte Nachweispflicht für Haushaltsgeräte geben.
Im Umkreis des Atommülllagers Asse im Landkreis Wolfenbüttel gibt es keine erhöhten radioaktiven Belastungen. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Freitag mitteilte, haben vier Institutionen unabhängig voneinander fast 600 Proben untersucht und nur unbedenkliche Messergebnisse feststellen können.
Das schon jetzt umstrittene EWI-Gutachten sagt einem Pressebericht zufolge aus, dass längere AKW-Laufzeiten nur einen geringen Einfluss auf die Höhe der Strompreise hätten. Atomkraftgegner haben der Regierung vorgeworfen, das von ihr bestellte Gutachten zu künftigen Energieszenarien und längeren AKW-Laufzeiten manipuliert zu haben.
Einem Zeitungsbericht zufolge sei das Gutachten, das die Regierung beauftragt hat, zumindest indirekt von E.ON und RWE mitbezahlt worden. Außerdem seien in dem Gutachten keine Endlagerkosten eingerechnet worden. Eine Zusatzabgabe der Branche könnte bei freiwilligen Investitionen in Ökostrom ebenfalls entfallen.Strompreise vergleichen
Einfach Postleitzahl und jährlichen Stromverbrauch in kWh eingeben und günstige Stromtarife finden!