Kohle und Gas

Angestellte demonstrieren für Erhalt von Kraftwerken

Eine sichere Energieversorgung und die Rolle von zehntausenden von Arbeitsplätzen sind Beweggründe, warum Beschäftigte von Gas- und Kohlekraftwerken am Mittwoch auf die Straßen gingen. Demgegenüber stehen die Pläne zur Energiewende, der Ausbau der Erneuerbaren und der Klimaschutz.

Strommast© Bernd Boscolo / pixelio.de

Niederaußem/Köln (dpa/red) - Beschäftigte von Kohle- und Gaskraftwerken in ganz Deutschland machen wegen der schwierigen Lage ihrer Standorte Druck auf die Regierung und Energiepolitiker. Bundesweit protestierten am Mittwoch nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 30.000 Arbeitnehmer für den Erhalt von Kohle- und Gaskraftwerken mit ihren Tausenden Arbeitsplätzen.

"Wir brauchen auf absehbare Zeit auch die Braunkohleverstromung", sagte Verdi-Bundesvorsitzender Frank Bsirske auf einer Veranstaltung am RWE-Standort Bergheim-Niederaußem im rheinischen Braunkohlerevier. Die herkömmliche Stromerzeugung dürfte nach seinen Worten künftig aber stärker eingesetzt werden, um als Reserve zu dienen.

50 Anträge für die Stilllegung

Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben Kraftwerksbetreiber bislang die Stilllegung von 50 Kohle- und Gaskraftwerken beantragt, weil sie nicht mehr rentabel sind. Durch den kräftigen Ausbau von erneuerbaren Energien ist Strom aus Kohle und Gas stark unter Druck geraten.

Verdi: 60.000 Jobs gefährdet

Im Schulterschluss mit Unternehmen und Verbänden fordert Verdi zur Umsetzung der Energiewende in Deutschland ein Bezahlmodell für konventionell erzeugten Strom, womit gemeint ist, dass das konstante Bereithalten von Strom als Reservepuffer vergütet werden soll. Sonst seien 20.000 von insgesamt 60.000 Jobs in der Branche gefährdet, sagte der Verdi-Chef.

Diskussionen um Kapazitätsmarkt

Über den Aufbau eines sogenannten Reservepuffer-Kapazitätsmarktes wird seit Jahren gestritten. Es geht dabei vor allem um die Frage, wie viele Kraftwerke zum Abpuffern von Engpässen an wind- und sonnenarmen Tagen benötigt werden. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich zuletzt skeptisch dazu geäußert. Und der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ist strikt dagegen.

Der stellvertretende RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz sieht dringenden Handlungsbedarf: Jetzt müsse etwas getan werden, "wir brauchen einen Mindestlohn für Kraftwerke, damit sie einsetzbar sind". Es gehe um die Existenz und die Zukunft von RWE und um Arbeitsplätze, betonte der Manager.

Energiewende mitgestalten

Durch das Festhalten an fossilen Energieträgern hätten sich die Energiekonzerne in eine schwierige Lage manövriert, erklärte der Bundesverband Windenergie am Mittwoch. Es sei klar, dass der zügige Ausbau der Erneuerbaren Energien auf der einen Seite zu einer Abschaltung von Kohlekraftwerken auf der anderen Seite führen müsse.

Statt gegen die Abschaltung konventioneller Kraftwerke mobil zu machen, sollten Gewerkschaften und die alte Energiewirtschaft daher den Blick nach vorn richten und die Energiewende aktiv mitgestalten.

Quelle: DPA