Uckermark-Kleinstadt

Angermünde läuft Sturm: Bürger protestieren gegen Gaspreiserhöhung

In einer Kleinstadt in der Uckermark wehren sich die Bürger intensivst gegen eine neuerliche Gaspreiserhöhungen. Auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung machten sie ihrem Unmut Luft - stießen bei der Geschäftsführerin aber auf wenig Verständnis. Sie legte ihrerseits "handfeste wirtschaftliche Gründe" vor.

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Angermünde (ddp-lbg/sm) - Der Angermünder Bürgermeister Wolfgang Krakow (SPD) hatte es auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung schwer, sich gegen den Unmut der Bürger zu wehren. Der kleine Sitzungssaal im historischen Rathaus am Marktplatz war am Mittwochabend zum Bersten gefüllt. Bis auf den Flur drängten sich empörte Bürger, die ihren Unmut gegen die gestiegenen Gaspreise lautstark artikulierten. Ihnen waren vor wenigen Wochen entsprechende Bescheide ins Haus geflattert.

Die Stadtwerke hatten den Tarif für Erdgas im Oktober kräftig erhöht: Bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden müssen die Verbraucher 1156 Euro löhnen. "So teuer ist das Gas nirgendwo in Deutschland. Selbst in den Nachbarstädten und -Dörfern wird nur etwas mehr als die Hälfte bezahlt", erregten sich die Bürger. Ein Blick in die Preistabelle bestätigt die Aufregung. Angermünde ist der unangefochtene Spitzenreiter. In Ostdeutschland sind pro 20 000 Kilowattstunden im Durchschnitt 1047 Euro zu berappen, im Westen sogar nur durchschnittlich 976 Euro.

"Die Stadtwerke sanieren sich auf Kosten der Bürger von Angermünde", schrie einer auf der Stadtverordnetenversammlung. Bürgermeister Krakow wollte schlichten: "Sie wissen, dass wir an dem Problem dran sind. Wir streiten seit über einem Jahr und verstecken uns nicht vor der Diskussion", sagte er. Warum die Preise in Angermünde so hoch sind, vermochte er allerdings auch nicht zu erklären.

Die Geschäftsführerin der Stadtwerke, Sybille Holzäpfel, wiegelt hingegen ab: "Sicher sind wir im gegenwärtigen Preisvergleich deutschlandweit die teuersten mit unseren Gaspreisen. Das hat jedoch handfeste wirtschaftliche Gründe", sagt sie. Zum einen sei der Gaspreis an den Ölpreis gekoppelt und dieser sei bekanntermaßen in diesem Jahr kräftig gestiegen. Zum anderen hätten die Stadtwerke in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in ihr marodes Gasnetz tätigen müssen. "Das führte natürlich zu einer erheblichen Kreditbelastung, die wir auch auf unsere Kundschaft umlegen müssen", erklärte die Geschäftsführerin.

Deshalb ergebe auch ein allein auf die Preise beschränkter Vergleich zwischen den ost- und westdeutschen Gasversorgern ein schiefes Bild. "Die westlichen Unternehmen hatten Jahrzehnte Zeit, ihre Netze auszubauen und zu sanieren. Hier im Osten mussten die Versorger innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mittel investieren, um überhaupt die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und dann das Netz auszubauen. Das wirkt sich natürlich auch auf die Preise aus", argumentiert die Stadtwerke-Chefin.

Im übrigen werde sich Angermünde bald wieder im Mittelfeld der Preise wiederfinden. "Etliche Versorger haben für Anfang nächsten Jahres weitere, zum Teil erhebliche Preissteigerungen angekündigt. Dann stehen wir mit unseren Preisen nicht mehr allein", sagt Sybille Holzäpfel. Eine Senkung des Gas-Tarifs sei trotz der Proteste ausgeschlossen. "Das halten wir betriebswirtschaftlich nicht durch", so die Chefin. Sie will sogar weitere Preiserhöhungen nicht ausschließen.

Der einzige Trost für die Angermünder scheint nun darin zu bestehen, dass sie mit ihren Protesten nicht allein dastehen. Wie Anfang Dezember bekannt wurde, will das Bundeskartellamt noch in diesem Jahr gegen mehrere Energieversorger Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts auf ungerechtfertigte Gaspreiserhöhungen einleiten. Der Bund der Energieverbraucher hatte kritisiert, dass die Kopplung des Gaspreises an die Ölpreisentwicklung eine billige Ausrede der Konzerne für ihre Geschäftemacherei sei. Zudem müsse die Industrie nur etwa halb so viel für ihr Gas bezahlen wie private Verbraucher.

Von ddp-Korrespondentin Juliane Sommer