Überteuerte Handelspreise

Angeblich neue Indizien für künstlich erhöhte Strompreise

Anonym verschickte, geheime Handelsdaten der EEX sollen zeigen, dass die großen Energiekonzerne die Strompreise hochtreiben. Im Zusammenhang mit diesen ungeklärten Geschäftsaktivitäten attackiert der Bund der Energieverbraucher die großen deutschen Stromkonzerne, RWE weißt die Vorwürfe jedoch zurück.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Für den Vorwurf, dass die Stromkonzerne ihre Marktmacht missbrauchen, gibt es angeblich neue Indizien. Anonym verschickte, streng geheime Handelsdaten der Leipziger Strombörse EEX zeigten, dass die großen Energiekonzerne die Preise an der Strombörse hochtreiben könnten, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" am Samstag vorab. Aus den Daten - die laut einer Strafanzeige der EEX wegen des Verrats von Betriebsgeheimnissen echt sind - gehe hervor, dass allein RWE 2006 für fast 28 Prozent des gesamten Nettostromeinkaufes verantwortlich ist.

Der anonyme Verfasser der E-Mail vermute, dass der Konzern so den Preis in die Höhe getrieben hat, um dann im Telefonhandel viel größere Volumina zu dem künstlich angehobenen Preis zu verkaufen. RWE wollte die Daten gegenüber dem Magazin nicht kommentieren. Wissenschaftler gehen laut "Spiegel" davon aus, dass der Strompreis an der EEX aufgrund der Marktmacht der Konzerne um bis zu 30 Prozent überteuert ist.

Verbraucher zahlen pro Kilowattstunde 3 Cent zu viel

"Die Preispolitik der Multis ist Freibeuterei zu Lasten der Verbraucher", sagte Chef des Bundes der Energieverbraucher Aribert Peters der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht. Nach Berechnungen der Verbraucherorganisation zahlten Privathaushalte und Industrieunternehmen aufgrund überteuerter Handelspreise an der Leipziger EEX für jede Kilowattstunde Strom drei Cent zu viel, schrieb die "Bild"-Zeitung. Das ergebe eine zusätzliche Kostenbelastung von jährlich 13,5 Milliarden Euro. Den Berechnungen des Verbands zufolge zahle ein Musterhaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch und einer Stromrechnung von 700 Euro im Jahr damit 105 Euro jährlich zu viel.

Politiker fordern Konsequenzen für Preistreiber

Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) forderte politische Konsequenzen im Strommarkt. "Das Preistreiber-Quartett muss aufgelöst werden, das Kartellamt einen Zwangsverkauf von Kraftwerken anordnen können", sagte er der Zeitung.

Der Fraktionsvize der FDP, Rainer Brüderle, verlangte Änderungen im Marktverhalten der Großkonzerne. "Ich fordere die großen Stromversorger auf, ihre Preispolitik transparent zu machen und ihre Marktmacht nicht auszunutzen", sagte Brüderle der Zeitung.

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) fordert deshalb eine "Strafsteuer für Preistreiber", um die Marktmacht der Konzerne zu brechen. Wer den Strom aus einem abgeschriebenen Atomkraftwerk zu 17 Euro anbiete, aufgrund des Preisfindungsmechanismus der Strombörse jedoch 50 Euro kassiere, könne die Hälfte dieses Gewinnes "problemlos an den Fiskus abführen", sagte Austermann. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf wolle der Politiker noch in diesem Jahr im Bundesrat einbringen und mit den Mehreinnahmen in Milliardenhöhe die Stromsteuer senken.

Ein Sprecher des Stromkonzerns RWE erklärte zu Vorwürfen: "Wir manipulieren keine Preise und dominieren keinen Markt."