Neue Studie

Anforderungen an eine europäische Netzzugangsverordnung aus kommunaler Sicht

Im Auftrag von neun großen kommunalen Versorgern hat das Aachener Büro für Energiewirtschaft und Technische Planung Anforderungen für eine sachgerechte Ausgestaltung des neuen EU-Energierechts vorgelegt. Schwerpunkt der Untersuchung war die EU-Verordnung über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Die neun kommunalen Energieversorgungsunternehmen GEW RheinEnergie AG, Citiworks AG, Mainova AG, MVV Energie AG, Stadtwerke Hannover AG, Stadtwerke Leipzig GmbH und SWB Synor GmbH & Co. KG haben gemeinsam mit dem Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) die anstehende EU-Energierechtsnovelle und ihre Auswirkungen untersucht. Ergebnis dieser Analyse ist die so genannte "G:T:L-Studie".

Bedingungen für europaweiten Stromhandel

Schwerpunkt der Untersuchung war die EU-Verordnung über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel. Ihre Regelungen betreffen das Engpassmanagement, den Ausgleichsfond der Übertragungsnetzbetreiber und die Harmonisierung der Entgeltbestimmungen zur Netznutzung in der EU. Die politische Einigung zu diesen Fragen wurde bereits am 25. November 2002 auf der EU-Ministerratskonferenz erzielt. Derzeit läuft die zweite Lesung im EU-Parlament. Voraussichtlich am 1. Juli 2003 soll die Novelle dann verabschiedet werden.

Harmonisierung der Regeln

Im Zentrum der Betrachtung stehen eine Harmonisierung der Netzzugangsregelungen innerhalb der Mitgliedsstaaten und die Rahmenbedingungen für den internationalen Stromhandel (Cross Border Trade). Die Europäische Kommission und der Rat der Europäischen Energie-Regulatoren (CEER) sehen in der Tarifierung grenzüberschreitender Stromtransporte (Grenzübergangstarifierung) und der Bewirtschaftung knapper Übertragungskapazitäten (Engpassmanagement) wesentliche Hindernisse für den europäischen Strombinnenhandel. Die Behandlung der grenzüberschreitenden Netznutzung erfolgt seit 31. März 2002 nach einem Modell der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ETSO). Die dort enthaltene sogenannte T-Komponente (T=Transit), welche die Übertragungsnetzbetreiber auf jede exportierte Megawattstunde erheben, wird jedoch von Händlerverbänden und EU-Kommission gleichermaßen als ungerechtfertigtes Markthemmnis kritisiert und sollte durch eine andere Finanzierung ersetzt werden.

Keine Wettbewerbsverzerrungen mehr

Die Netzkosten werden in Europa sehr unterschiedlich auf einspeisende Kraftwerke (G-Komponente, G=Generation) und entnehmende Kunden (L-Komponente, L=Load) umgelegt. Eine europäische Harmonisierung soll die hieraus resultierenden Wettbewerbsverzerrungen ausräumen. Außerdem soll über eine differenzierte Ausgestaltung der G-Komponente ein standortbezogener Einfluss (Allokationssignal) auf Bau und Betrieb von Kraftwerken genommen werden, um Engpässen entgegenzuwirken.

Auswirkung der Vorgaben

Europäische Vorgaben für eine solche Vereinheitlichung von G-, T- und L-Komponenten der Netznutzungsentgelte würden erhebliche Auswirkungen auf die kommunale Energiewirtschaft haben. Betroffen seien alle Bereiche, von der Erzeugung über die Netze bis zu Handel und Beschaffung. Ein Verzicht auf transaktionsbezogene Grenzübergangstarife (T-Komponente) würde den Handel erleichtern und einen größeren Markt schaffen, begründeten die kommunalen Unternehmen ihre Initiative. Die mögliche Einführung einer G-Komponente könnte Umschichtungen bei der Umlage der Netzkosten verursachen. Für Kraftwerke in nachgelagerten Netzebenen oder in Nähe der Lastschwerpunkte ergäbe sich eine günstige Wettbewerbsposition, wenn eine G-Komponente sachgerechte Anreize setzt.

Anforderungen der Kommunalwirtschaft

Die neun kommunalen Versorger haben die Studie beim Aachner Büro für Energiewirtschaft und Technische Planung in Auftrag gegeben. Die Studie formuliert folgende Anforderungen für eine sachgerechte und stromwirtschaftlich sinnvolle Ausgestaltung und Umsetzung der EU-Energierechtsnovelle:

(1) Verbesserung des Engpassmanagements durch Erhöhung der Transparenz bei den Vergabeverfahren, Steigerung der Marktorientierung und Umsetzung einer gezielten Mittelverwendung aus den Auktionseinnahmen bei den Engpassvergaben.

(2) Harmonisierung der internationalen Netznutzungsregeln auf Basis einer Verteilung L-Komponente = 100 Prozent und G-Komponente = 0 Prozent wie bisher in Deutschland gültig. Kein europaweit einheitliches, zusätzliches "basic-G", das nachvollziehbaren Grundlagen entbehrt und kontraproduktiv ist.

(3) Weiterentwicklung des europäischen Mechanismus des Lastenausgleichs (Inter TSO Compensation Mechanism) in Richtung Befüllung durch G-Komponente in Ländern mit Exportüberschuss und L-Komponente in Ländern mit Importüberschuss.

(4) Unterstützung von Allokationssignalen (Bonus-Malus-Systemen) für eine verbrauchsnahe Erzeugung (Erzeugung im Lastschwerpunkt). Allokationssignale ("locational G", sofern überhaupt ein "G" eingeführt wird) müssen die Leistungen der kommunalen Erzeuger (Netzentlastung durch dezentrale Einspeisung, Ziffer 2.3.3 der VV II plus) in vollem Umfang berücksichtigen.

(5) Für die differenzierte Ausgestaltung der Allokationssignale müssen alle Lastflussdaten der Übertragungsnetz-betreiber offengelegt werden. Eine willkürliche und ggf. kontraproduktive Zoneneinteilung muss ausgeschlossen sein.