Kein Überraschungspotenzial

Analyse: RWE baut auf Konsolidierung / E.ON besser positioniert

Nach den deutlichen Kurssteigerungen in diesem Jahr prognostizieren die meisten Analysten für RWE im kommenden Jahr eine Konsolidierungsphase. Der Konzern will Anleger mit attraktiven Dividenden locken. Dennoch heißt das häufigste Rating der Energie-Analysten im Moment: "Neutral". Grund: Wenig Überaraschungspotenzial.

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Essen (ddp/sm) - Die Aussichten des Essener Energiekonzerns RWE für 2005 muten auf den ersten Blick paradox an. Die wichtigsten Baustellen hat der Vorstandsvorsitzende Harry Roels geschlossen, die Liste der Verkäufe von Konzernbereichen ist weitgehend abgearbeitet, das operative Kerngeschäft zeigt sich unverändert stark. Dennoch empfiehlt gegenwärtig kaum eine Bank die RWE-Aktie zum Kauf. Ganz im Gegensatz zu den Papieren des Düsseldorfer Konkurrenten E.ON.

Nach den deutlichen Kurssteigerungen in diesem Jahr prognostizieren die meisten Analysten für RWE im kommenden Jahr erst einmal eine Konsolidierungsphase. Der Konzern will Anleger mit attraktiven Dividenden locken. Die Stammaktie war von Anfang Januar bis Anfang November immerhin von 29,51 auf 43,50 Euro geklettert. Gegenwärtig pendelt das Papier bei 39 Euro.

Das häufigste Rating der Energie-Analysten heißt aber im Moment: "Neutral". Sie bevorzugen zurzeit die E.ON-Aktie. Der Konzern habe in den vergangenen Monaten seine Hausaufgaben gemacht, lobt Stephan Wulf von Sal. Oppenheim. Aber das Unternehmen biete dadurch auch "kein großes Überraschungspotenzial" mehr. 2005 werde es zudem keine Sondereffekte mehr in der Bilanz geben.

Wulf empfiehlt daher - wie viele seiner Kollegen - derzeit eher die E.ON-Aktie zum Kauf. Denn bei dem wichtigsten Wettbewerber von RWE stehen mit der Abgabe von Viterra und weiterer Degussa-Aktien noch größere Verkäufe bevor. Außerdem hat E.ON mehr Geld für Expansionen. Das bewies erst am Freitag die Aufstockung der E.ON-Investitionen für die kommenden drei Jahre um fast fünf Milliarden auf 18,7 Milliarden Euro.

Mit zusätzlichen Kostensenkungen will RWE Belastungen, die sich aus dem geplanten Start der Energiemarkt-Regulierung ergeben, zumindest teilweise wieder ausgleichen. Eine genauere Prognose für 2005 will das Unternehmen erst bei der Bilanzvorlage im Februar abgeben. Einige Ziele für das kommende Jahr sind jedoch auch aus dem Mittelfrist-Plan abzulesen. So hat der Vorstand ein durchschnittliches Plus beim Betriebsergebnis aus organischem Wachstum von mindestens fünf Prozent im Jahr angekündigt. Und für die Dividende nannte er eine durchschnittliche Steigerung um 15 Prozent pro Jahr als Ziel.

Für 2004 könnte dies eine Anhebung der Ausschüttung von zuletzt 1,25 auf 1,45 Euro je Stammaktie bedeuten. "RWE wird auch in Zukunft einer der dividendenstärksten Werte im DAX sein", verspricht Roels den Aktionären. Dies könnte für RWE noch ein wichtiges Argument gegenüber Investoren werden - in einer Zeit, in der die Verbraucher gegen Preiserhöhungen Sturm laufen, der Konzern wegen seiner politischen Kontakte in Korruptionsnähe gerückt wird und Analysten kein großes Aufwärtspotenzial mehr sehen. Das wenig angreifbare operative Geschäft scheint vorerst deutlich in den Hintergrund gerückt.