Expansion

Analyse: E.ON drängt nach Osten

Die Expansion des deutschen Energiekonzerns E.ON orientiert sich immer mehr gen Osten. Die Ankündigung Bernotats, in der Region mittel- bis langfristig weiter zu wachsen, sorgte nicht nur an der Börse für Fantasien. Welche Rolle jedoch die Regulierung für die Strategie spielen wird, ist derzeit noch unklar.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die vom Energiekonzern E.ON angekündigte Ausweitung des Osteuropa-Engagements nimmt zügig Gestalt an. In nur zwei Wochen übernahm das Düsseldorfer Unternehmen Ende Oktober bis Anfang November in Rumänien das Gasunternehmen Distrigaz Nord, in Bulgarien zwei Stromversorger und in Ungarn die Gassparte des MOL-Konzerns. Hinzu kam noch die Bewerbung um zwei regionale Stromgesellschaften in Rumänien. Auch ohne die jüngsten Zukäufe steht E.ON in Osteuropa inzwischen für knapp 30 Prozent des gesamten Strom- und Gasmarktes. Im Jahr 2000 waren es nicht einmal fünf Prozent.

Expansionshunger und Wachstumsmöglichkeiten

Ein Ende des "Expansionshungers" ist noch nicht absehbar. Noch bei der Vorlage der jüngsten Zwischenbilanz im November hatte der Vorstandsvorsitzende Wulf H. Bernotat angekündigt, E.ON wolle sich in der Region auch mittel- bis längerfristig weiter nach Wachstumsmöglichkeiten umsehen, um Größenvorteile und Synergien zwischen Strom und Gas zu nutzen. Dabei rückt vor allem das Russland-Geschäft von E.ON zusehends ins Blickfeld. Zwar hatte E.ON schon im Juli eine Absichtserklärung für eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem russischen Gasmonopolisten Gazprom unterzeichnet. Konkrete Vereinbarungen auf den vier in Frage kommenden Geschäftsfeldern liegen aber noch nicht vor.

Fantasie an der Börse

Für Fantasie - auch an der Börse - sorgen aber schon heute die mögliche Beteiligung an einem westsibirischen Gasfeld, der Bau einer Pipeline durch die Ostsee und auch die Beteiligung von E.ON am russischen Strommarkt. Für Aufmerksamkeit sorgten zudem Meldungen, wonach der E.ON-Partner Gazprom an der Zwangsversteigerung des Kerngeschäfts des angeschlagenen Ölkonzerns Jukos mitbieten werde. Viele Analysten glauben daher, dass bei der E.ON-Aktie - im Gegensatz zu den Titeln des Essener Konkurrenten RWE - auch 2005 noch Spielraum für Kurswachstum sein wird. Die Werte beider Unternehmen hatten in diesem Jahr bereits Steigerungsraten von 30 bis 40 Prozent verzeichnet. Im Gegensatz zu RWE hat E.ON für weitere Akquisitionen und auch für größere Wachstumsschritte aber noch das nötige Kleingeld. Außerdem kann der Düsseldorfer Strom- und Gasversorger im kommenden Jahr auf Buchgewinne durch weitere Verkäufe von Konzernteilen hoffen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Zumindest die Immobilientochter Viterra dürfte E.ON im kommenden Jahr abgeben.

Unklar: Auswirkungen der Regulierung

Einige Fragezeichen setzen die meisten Analysten derzeit noch hinter dem Thema Regulierung und deren Auswirkung auf die Versorger. Trotz des weiter unklaren gesetzlichen Rahmens für die künftige Kontrolle des deutschen Strom- und Gasmarktes gehen aber viele Beobachter davon aus, dass E.ON stärker als RWE von der neuen Aufsichtsbehörde betroffen sein könnte. Grund hierfür ist die überragende Stellung der Tochter Ruhrgas auf dem deutschen Gasmarkt. Auch E.ON wird sich eventuell die zum Jahreswechsel angekündigten Preiserhöhungen beim Regulierungsstart noch einmal nachträglich genehmigen lassen müssen.

Bernotat versuchte aber bereits, aufkommende Sorgenfalten bei den Aktionären zu glätten. Mögliche Einflüsse durch die neue Aufsichtsbehörde seien in den Finanzzielen des Konzerns bereits enthalten. Zum anderen können sich die Anleger wohl auch 2005 über ein starkes operatives Strom- und Gasgeschäft freuen - und eventuell sogar über eine Sonderdividende.

Kreditlinie erneuert

Gleichzeitig gab E.ON heute bekannt, mit einem internationalen Bankenkonsortium eine syndizierte Kreditlinie in Höhe von zehn Milliarden Euro vereinbart zu haben. Die erfolgreiche Transaktion sei um mehr als 50 Prozent überzeichnet gewesen. Die verbindliche Kreditzusage von 39 Banken ersetze die bestehende Kreditlinie in Höhe von 12,5 Milliarden Euro, eine Inanspruchnahme sei jedoch derzeit nicht vorgesehen.

Von Korrespondent Andreas Heitker, Dow Jones Newswires, und strom magazin.