Stromtrassen

Amprion will Ausbau seiner Stromnetze beschleunigen

Amprion will beim Ausbau der Stromnetze in diesem Jahr mehr Gas geben. Der Stromnetzbetreiber ist für die Planung zweier Stromtrassen zuständig, die für die Umsetzung der Energiewende wichtig sind.

StromNetzbetreiber Amprion ist für die Planung von zwei wichtigen neuen Stromtrassen zuständig.© jeancliclac / Fotolia.com

Frankfurt - Der größte deutsche Stromnetzbetreiber Amprion will beim schleppenden Ausbau seiner Leitungen mehr Tempo machen. In diesem Jahr sollen knapp 550 Millionen Euro in die Erweiterung und die Erneuerung der Netze fließen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. 2015 lagen die Investitionen bei 474 Millionen Euro. Bis 2025 will Amprion insgesamt rund 5,5 Milliarden Euro in die für die Energiewende wichtigen Stromautobahnen investieren. Zugleich warnte das Unternehmen vor neuen Hindernissen wie etwa einer deutlichen Absenkung der Garantierenditen.

Amprion plant Stromtrassen für die Energiewende

Amprion ist für die Planung von zwei wichtigen neuen Stromtrassen zuständig, die vor allem Windstrom aus dem Norden und Osten nach Süden bringen sollen. Rund 2.000 Kilometer neue Leitungen soll das Unternehmen bauen. In den vergangenen Jahren schaffte es gerade einmal 200 Kilometer. Im Bau sind derzeit weitere 40 Kilometer. Für knapp 700 Kilometer läuft inzwischen aber das entscheidende Planfeststellungsverfahren, so dass der Bau bald beginnen könne.

Erdkabel bekommen den Vorrang

Vor allem der erhebliche Widerstand aus der Bevölkerung bremste vielerorts den Ausbau der Netze in Deutschland. Darauf hat die Bundesregierung inzwischen reagiert. Ein Gesetz sieht vor, dass ein Großteil der neuen Stromautobahnen unterirdisch verlegt werden soll. Die Bundesregierung hofft dadurch auf eine schnellere Umsetzung der großen Leitungsvorhaben mit weniger Klagen. Der Vorrang für Erdkabel bei Gleichstrom-Trassen wird allerdings die Baukosten für die Netze um mehrere Milliarden erhöhen. Das müssen die Stromverbraucher zahlen.

Bei Amprion sind von dem neuen Gesetz rund 300 Kilometer Leitungen betroffen. Mit den neuen Vorgaben kann das Unternehmen nach eigenen Angaben leben. "Wir haben jetzt klare Verhältnisse", sagte der technische Geschäftsführer Klaus Kleinekorte. Damit sei die Energiewende nun wieder zu schaffen. Jetzt gelte es, die Projekte zügig im Dialog mit den Bürgern umzusetzen. Dazu rief Amprion vor allem Landesministerpräsidenten zur Unterstützung auf.

Bundesnetzagentur entscheidet im Herbst über Renditen für die Betreiber

Stabilität forderte der kaufmännische Geschäftsführer, Hans-Jürgen Bricks, bei den garantierten Renditen für den Stromnetzbetrieb. "Ich sehe kein wesentliches Senkungspotenzial und hoffe auf eine verantwortungsvolle Entscheidung der Bundesnetzagentur." Die Behörde will im Herbst über die künftige Verzinsung für die Leitungen entscheiden. Das würde den Verbrauchern zugute kommen, allerdings die Investitionen möglicherweise bremsen.

Verzinsung rutschte in den negativen Bereich

Bei der letzten turnusmäßigen Neuregelung 2011 lag die Rendite bei zehnjährigen Bundesanleihen noch bei rund drei Prozent, zu Beginn dieser Woche war sie in den negativen Bereich gerutscht. Deshalb wird mit einer Senkung der Renditen für Investitionen in die Netze gerechnet. Derzeit erhalten die vier Netzbetreiber Tennet, TransnetBW, Amprion und 50Hertz sowie die kommunalen Netzbetreiber auf Neuinvestitionen eine garantierte Eigenkapitalrendite von 9,05 Prozent. Real kämen davon aber auch hetzt schon nur rund drei Prozent bei den Investoren an, sagte Bricks.

Stromtrassen sind für Energiewende notwendig

Die neuen Stromautobahnen werden benötigt, um viel Windstrom aus Nord- und Ostdeutschland in die Industriezentren im Süden zu transportieren, wo 2022 die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Schon jetzt gibt es teils erhebliche Probleme und Zwangsabschaltungen im Netz, weil für die im Norden produzierten Strommengen das Netz nicht ausreicht. Die Kosten für Eingriffe der Netzbetreiber, um "Blackouts" zu verhindern, sind zuletzt auf jährlich etwa eine Milliarde Euro gestiegen. Bezahlen müssen auch das die Stromkunden.

Amprion muss weniger ins Netz eingreifen als andere Netzbetreiber

Dies betrifft allerdings vornehmlich die anderen drei Netzbetreiber. Bei Amprion hielten sich die Kosten für die Netzeingriffe bei gerade einmal 1,4 Millionen Euro. Das Unternehmen führt dies zum einen auf den guten technologischen Stand seiner Netze zurück. Zum anderen profitiert Amprion auch davon, dass die großen Windparks mit ihrem schwankenden Angebot außerhalb seines Gebiets stehen.

Quelle: DPA