Eskalation

Ampere lässt Hauptversammlung platzen / Stadtwerke Hannover ziehen vor Gericht

Der Streit zwischen dem Berliner Stromhändler Ampere AG und seinem Mehrheitsaktionär, den Stadtwerken Hannover, geht in eine neue Runde: Ohne Absprache mit Hannover hat Ampere die Hauptversammlung 24 Stunden vor dem Termin platzen lassen. Die Stadtwerke wollen jetzt gerichtlich erreichen, die Hauptversammlung selbst einberufen zu können.

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Der Streit zwischen dem Berliner Stromhändler Ampere AG und seinem Mehrheitsaktionär, den Stadtwerken Hannover, scheint zu eskalieren: Jetzt hat der Amperevorstand die Hauptversammlung des Unternehmens 24 Stunden vor dem Termin platzen lassen, ohne Rücksprache mit Hannover zu halten. Als Grund wurden "laufende, konkrete Einigungsverhandlungen" über die Beilegung des Konflikts angegeben.

Grund für die Auseinandersetzung beider Unternehmen sind verschiedene Auffassungen zur geplanten E.ON/Ruhrgas-Fusion. Während Ampere überzeugt ist, dass die Ministererlaubnis eine Enteignung des Stromhändlers bedeutet und deshalb Klage eingereicht hat, entspricht die Einlegung von Rechtsmitteln nicht der Geschäftspolitik der Stadtwerke Hannover. Eine Rücknahme der Klage war anschließend nicht mehr möglich, weil ein Minderheitsaktionär aus dem Aufsichtsrat dagegen eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte.

Die Stadtwerke Hannover zeigen sich insbesondere über die Art und Weise der Absage enttäuscht. Es sei lediglich ein privates Fax des Aufsichtsratsmitglieds Thomas Heilmann gewesen. Gleichzeitig sei die Aufforderung des Mehrheitsaktionärs ignoriert worden, die Hauptversammlung durchzuführen, da kein seriöses Verhandlungsangebot vorliege. "In diesem Verhalten sieht der Vorstand der Stadtwerke Hannover AG einen erneuten Bruch der vertrauensvollen Zusammenarbeit", erklärte Jochen Westerholz, Rechtsanwalt und Arbeitsdirektor bei den Stadtwerken Hannover. Hinzu käme, dass die Stadtwerke in diesem Termin die letzte Chance gesehen hätten, "auf eine für beide Seiten nutzbringende Weise eine Beilegung des Konfliktes zu erreichen".

Mit der Geduld sind die Stadtwerke Hannover jedenfalls am Ende. Westerholz kündigte ein rechtliches Verfahren gegen die Ampere AG an, um auf Grund gerichtlicher Ermächtigung selbst die Hauptversammlung einberufen zu können.