Österreich

Alpen-Stromreserve sei geringer als gedacht

Die von der deutschen Bundesregierung in Österreich gebuchten Kraftwerks-Kapazitäten sind nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe) kleiner als bislang angenommen. Unterdessen weisen Atomkraftgegner darauf hin, dass der kurzzeitige Bezug von Strom aus Österreich ökonomische Gründe hatte.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Hamburg (dapd/red) - Statt der ursprünglich von der Bundesregierung eingeplanten vier Reserve-Kraftwerke mit insgesamt 1.075 Megawatt Leistung stehen in Österreich tatsächlich nur drei Kraftwerke mit 935 Megawatt zur Stabilisierung des deutschen Stromnetzes zur Verfügung. Grund: Die Verhandlungen deutscher Netzbetreiber mit dem Kraftwerksbetreiber Wien Energie über die Bereitstellung einer "Kaltreserve" über 140 Megawatt seien geplatzt.

Reserve in Österreich fällt kleiner aus als gedacht

Wie ein Sprecher der Wien Energie GmbH der Zeitung bestätigte, scheiterten die Gespräche mit dem deutschen Netzbetreiber Tennet an der Frage nach der nötigen Einsatzdauer und der Mindestverfügbarkeit des österreichischen Kraftwerks. Das von der deutschen Bundesnetzagentur eigentlich eingeplante Wiener Gaskraftwerk mit einer installierten Leistung von 140 Megawatt stehe zur Stabilisierung des deutschen Stromnetzes damit nicht zur Verfügung. Mit der Verkleinerung der Kraftwerksreserve steige das Risiko von Instabilitäten im deutschen Stromnetz.

Strom aus ökonomischen Gründen importiert

Hamburg (dapd-nrd). Der kurzzeitige Bezug von Strom aus einem österreichischen Gaskraftwerk im Dezember war nach Ansicht von Atomkraftgegnern kein Hinweis auf eine Energieknappheit in Deutschland. Die Nutzung des österreichischen Kraftwerks habe ausschließlich ökonomische Gründe gehabt, sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt" am Freitag in Hamburg. "Der Rückgriff erfolgte, weil es größere Gewinne versprach, Windstrom aus dem Norden nach Südeuropa zu verkaufen und gleichzeitig kurzfristig geringe Mengen Strom aus Österreich einzukaufen."

Wer die kurzfristige Nutzung eines 150-Megawatt-Kraftwerks in Österreich zum Menetekel für die Versorgungssicherheit in Deutschland stilisiere, der spiele mit falschen Karten, sagte Stay.