Messungen

Alarmierende Strahlenwerte aus weitem Umfeld Fukushimas

Die im weiten Umfeld der havarierten Nuklearanlage Fukushima-Daiichi gemessenen Strahlenwerte nehmen offenbar immer Besorgnis erregendere Ausmaße an. Die Zahlen sollen auf Messungen der japanischen Atomaufsicht sowie von russischen Journalisten basieren.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/München (dapd/red) - Nach Veröffentlichungen auf den Internetseiten der japanischen Atomaufsicht NISA wurde am 20. März in 40 Kilometer Entfernung zu den Reaktoren eine Caesium137-Belastung von 163.000 Bequerel je Kilogramm Erde gemessen.

Dieser Wert ist nach Einschätzung des Münchener Strahlenbiologen Professor Edmund Lengfelder, des Leiters des Münchner Otto-Hug-Strahleninstituts, hoch. Er gebe aber vermutlich noch immer einen zu schwachen Eindruck von der tatsächlichen Belastung. Die gemessenen Radionuklide, zu denen auch Caesium gehört, seien bisher vor allem an der Oberfläche konzentriert. Erdproben würden aber normalerweise bis in etwa zehn Zentimeter Tiefe ausgestochen, wodurch die an der Oberfläche herrschende Belastung relativiert werden könne.

Nach dem Nuklearunfall von Tschernobyl hätten russische Fachleute deshalb jeweils die Strahlenbelastung je Quadratmeter gemessen, also an der Oberfläche. Bei Caesium-Werten von mehr als 555.000 Bequerel je Quadratmeter seien Gebiete damals zu Sperrzonen oder zu "Zonen strikter Kontrolle" erklärt worden.

Lengfelder erklärte außerdem, er kenne Strahlenwerte, die ein russischer Journalist am 22. März ebenfalls etwa 40 Kilometer westlich des Reaktorgeländes gemessen habe. Sie hätten eine Strahlenbelastung von 250 Mikrosievert pro Stunde ergeben. "Bei solchen Werten muss man nach unseren Maßstäben sofort evakuieren", sagte Lengfelder, der sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit den Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe beschäftigt.

Doch von Evakuierungen in einem Umkreis von 40 Kilometern oder mehr ist bei der japanischen Regierung bisher offiziell nicht die Rede. In Japan haben die Behörden keine Evakuierungen über die bisherige 20-Kilometer-Zone hinaus angeordnet. Am Freitag allerdings empfahl Sprecher Yukio Edano den Bewohnern des Gebiets in einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern um das AKW Fukushima, sich freiwillig in weiter entfernte Regionen zu begeben.