Atomausstieg

Al-Wazir: Energiekonzerne tricksen mit AKW-Laufzeiten

Im Streit um mögliche Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken wirft Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir den Energiekonzernen Trickserei vor. "Die Energiekonzerne spielen ganz offensichtlich ein Spiel: Sie halten die Kraftwerke künstlich vom Netz, um Reststrommengen zu behalten", sagte Al-Wazir im ddp-Interview in Wiesbaden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp/red) - Die Betreiber hofften, dass CDU und FDP auf Bundesebene das Atomgesetz änderten, damit sie die alten Reaktoren weiterlaufen lassen könnten. Die rot-grüne Bundesregierung hatte damals beim Atomausstieg kein klares Datum für die Abschaltung festgelegt. "Man könnte lange drüber reden, wie es dazu kam und welche Rolle unser damaliger sozialdemokratischer Koalitionspartner auf Bundesebene inklusive des Bundeskanzlers hatte", sagte der Grünenpolitiker.

Keine Verträge mit Energiemanagern schließen

"Aus heutiger Sicht sollten wir nie wieder mit Managern der Energiekonzerne Verträge schließen." Sie seien eben keine ehrbaren Kaufleute und hielten sich nicht an das, was sie selber unterschrieben hätten. Mit solchen Leuten könne man leider nur ordnungsrechtlich umgehen.

Al-Wazir rechnet mit stärkeren Protesten

Momentan sei noch nicht klar, in welche Richtung die neue Bundesregierung in der Frage der Laufzeitverlängerungen letztlich steuern werde. "Ich befürchte allerdings spätestens nach der NRW-Wahl das Schlimmste", betonte Al-Wazir. Er glaube aber auch, dass in dem Moment, in dem ein Entwurf für ein neues Atomgesetz auf dem Tisch liege, der Protest stärker werde. Der Atomkonsens habe einen großen Teil zur Befriedung der Gesellschaft beigetragen. Wer den jetzt aufkündige, trage auch die Verantwortung dafür, diese Befriedung in Gefahr zu bringen.