Klimakongress in Berlin

Al Gore und Politiker rufen zum Klimaschutz auf

Auf dem von EnBW veranstalteten Zweiten Deutschen Klimakongress präsentierte Al Gore "Eine unangenehme Wahrheit" und forderte Staatschefs weltweit zum Abschluss eines neuen Klima-Ankommens auf. Auch Außenminister Steinmeier betonte den Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Sicher haben sich die EnBW-Manager gefreut, als vor knapp zwei Wochen klar wurde, dass Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten würde. Vorher hatten sie ja "nur" den ehemaligen US-Vizepräsidenten zu ihrem von der Berliner PR-Agentur "We Do" veranstalten Klimakongress eingeladen. Mit der Meldung aus Oslo hatten sie nun einen offiziellen Weltretter engagiert.

Statt der geplanten fünf Minuten redete Gore in seinem Statement 17 Minuten energisch und überzeugend auf das Publikum ein, mahnte, den Klimawandel zu realisieren und dagegen vorzugehen. Gore sprach von "unseren Kindern und Enkeln", die auf 2007 zurücksehen werden und über unser Verhalten urteilen - je nachdem, was passiert ist.

Die Staatschefs dieser Welt forderte er mit Blick auf den Weltklimagipfel im Dezember in Bali auf, sie sollten sich Anfang 2008 zu einer Sitzung bei den UN treffen, um das Ergebnis der Konferenz zu begutachten. Der Vertrag, der dort besprochen wird, müsse außerdem schon 2010 in Kraft treten und nicht erst 2012, um die USA und China schneller miteinzubeziehen. "Ich glaube, die Staatschefs sollten sich dann alle drei Monate treffen, bis ein Vertrag ausgehandelt ist", sagte er unter Applaus.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der gemeinsam mit dem baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger die Eröffnungsrede hielt, rief zu Taten auf. "Tiefe und Tempo des Klimawandels sind dramatisch, die Zeitfenster zum Handeln noch knapper als befürchtet" so der Minister. Deshalb könnten "Wirtschafts- und Umweltinteressen immer weniger auf einer langen Zeitachse ausbalanciert werden". Deutschland sei für die anstehenden Herausforderung gut aufgestellt, so erleben die Branchen der Erneuerbaren Energien in Deutschland einen Boom.

Oettinger sagte, Baden-Württemberg müsse " bei den Anstrengungen zum Klimaschutz eine Vorreiterrolle spielen", denn ohne das technische Know-how der Industrieländer könne es kaum gelingen, den Klimawandel und seinen Folgen wirksam zu begegnen. Mit Blick auf die Kernenergie erklärte er: "Erneuerbare Energien und Kernenergie sind kein Gegensatz, sondern unter den Aspekten des Klimaschutzes ein ideales Paar".

"Der Klimaschutz darf keine kurzfristige Modeerscheinung sein", betonte der neue EnBW-Chef Hans-Peter Villis, "er muss vielmehr ins Zentrum des wirtschaftlichen und politischen Handelns rücken."

Kritik an dem Auftritt von des Nobelpreisträgers kam vom Deutsche Journalisten-Verband (DJV), da Journalisten nicht aus dem Vortrag Gores zitieren und nur über sein Eingangsstatement berichten dürfen. Gore könne nicht den Vortrag, für den er den Friedensnobelpreis erhalte, gegenüber den Medien zur Geheimsache erklären. EnBW argumentiert mit Urheberrechten und droht mit "Schadensersatzforderungen in erheblicher Höhe", falls gegen die Bedingungen verstoßen wird.