Aufklärung schreitet voran

AKW-Zischenfall: Gabriel fordert "lückenlosen Sicherheitsnachweis"

Den Zwischenfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark hat Umweltminister Gabriel zum Anlass genommen, von den Bundesländern lückenlose Sicherheitsnachweise für die 17 deutschen Atomkraftwerke einzufordern. Sie sollen bis morgen 12 Uhr dem Ministerium vorliegen.

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Berlin (ddp/sm) - Das Bundesumweltministerium hat nach derzeitigem Stand keine Hinweise darauf, dass ein Störfall wie im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark auch in Deutschland möglich wäre. Allerdings forderte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) am Montag weitere Sicherheitsnachweise für die 17 deutschen AKW und notfalls auch vorläufige Abschaltungen. Erst nach einem "lückenlosen Sicherheitsnachweis" werde das Ministerium die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke bei einem solchen Störfall bestätigen.

Gabriel betonte, bisher habe sich der Verdacht nicht erhärtet, dass sich ein Ereignis wie in Forsmark auch in Deutschland ereignen könnte. Der Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit im Ministerium, Wolfgang Renneberg, betonte aber, es handele sich um "vorläufige Einschätzungen" der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Es seien noch nicht alle Fragen geklärt.

Gabriel forderte eine "gründliche und detaillierte Prüfung der Anlagen vor Ort". Der Vorfall in Schweden sei so gravierend gewesen, dass er sich nicht nur auf die "Beurteilungen und Versicherungen der Betreiber" verlassen könne. Die Länder sollen laut Renneberg bis Dienstag 12 Uhr Berichte mit Antworten auf einen Fragenkatalog zur Sicherheit der deutschen AKW vorlegen. Gabriel betonte: "Falls Nachweislücken vorliegen, die so gravierend sind, dass die Sicherheit des Anlagenbetriebs in Frage steht, dann ist der Betrieb der Anlage bis zur Klärung der Sicherheitsfragen vorläufig zu untersagen."

Der Minister hat sich laut Renneberg ferner an seine schwedische Amtskollegin gewandt mit der Bitte, dass Deutschland schnellstmöglich über die Ermittlungen zu Forsmark auf dem Laufenden gehalten wird. Der jüngste Bericht sei am Wochenende übersetzt und an die Bundesländer übermittelt worden.

Das Gravierende an dem Vorfall in Schweden war laut Renneberg, dass er bisher nicht vorgekommen sei. Der Störfall sei "überraschend aus dem Nichts" gekommen. Ein einfacher Kurzschluss außerhalb des Netzes habe dazu geführt, dass mehrere Systeme versagt hätten. Noch unklar sei, wie nahe der Störfall am GAU gelegen habe. Zwar hätten zwei von vier Notstrom-Dieselaggregaten in Forsmark versagt, unklar sei aber, ob es daneben noch weitere Sicherheitsreserven gegeben hätte. Klar sei aber, bei einer Kernschmelze in Schweden wäre auch Deutschland bei entsprechender Windrichtung betroffen gewesen, sagte Renneberg.

Von Stefan Uhlmann