Prüfungen laufen

AKW Krümmel wegen Bedienfehler heruntergefahren

Das erneute Herunterfahren des Atomkraftwerks Krümmel in Schleswig-Holstein ist durch den Bedienfehler eines Mitarbeiters ausgelöst worden. Ein "Notventil" an einem Transformator sei fälschlicherweise geschlossen gewesen, sagte Vattenfall-Europe-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow am Donnerstag.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht (ddp-nrd/red) - Dies sei jedoch nicht im laufenden Betrieb geschehen. Durch den dadurch bedingten Ausfall des Transformators sei am Mittwochnachmittag eine Turbinenschnellabschaltung ausgelöst worden. Vorerst läuft der Reaktor deshalb nur mit halber Leistung.

Die Untersuchungen werden nach Vattenfall-Angaben "noch einige Tage" dauern. Neben der Inspektion des Trafos wird auch die Regelung einer Speisewasserpumpe untersucht. Nach der Trennung vom Stromnetz gab es bei einer Pumpe zur Regulierung des Wasserstandes im Reaktor eine Störung. Deshalb musste der Reaktorfahrer den Füllstand im Reaktordruckbehälter von Hand einstellen.

Zweite Panne innerhalb von zwei Wochen

Die Panne am Mittwochnachmittag war bereits der zweite Vorfall seit Wiederanfahren des Meilers am 19. Juni nach fast zweijährigem Stillstand. Seit Mittwochabend um 19.15 Uhr ist das AKW Krümmel wieder am Netz. Vattenfall wolle die abschließende Bewertung der Atomaufsicht abwarten, bevor der ausgefallene Transformator wieder in Betrieb und die Anlage auf 100 Prozent Leistung gehe, sagte Meyer-Bukow.

Die für Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte, ein solches Abschalten sei "kein alltäglicher Vorgang". Dafür habe es "ernste Gründe" gegeben, "und die müssen jetzt auf den Tisch". Sie fügte mit Blick auf vorherige Vorfälle hinzu: "Es wäre gut, wenn die Anlagen in Krümmel und Brunsbüttel nicht mehr am Netz wären."

Experten der Atomaufsicht und externe Sachverständige untersuchen den Vorfall seit Donnerstag vor Ort. Fristgerecht habe Betreiber Vattenfall Europe der Atomaufsicht am Donnerstagmorgen einen Bericht über den Vorfall übermittelt, sagte ein Ministeriumssprecher. Diesen hatte Trauernicht zuvor in einem Telefonat von Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka angefordert. Laut Atomaufsicht ist bei Ausfall eines Eigenbedarfstransformators der Betrieb des Reaktors mit verminderter Leistung (bis rund 65 Prozent) erlaubt. Sofern keine anderen Gründe vorliegen, bestehe rechtlich keine Handhabe, die Anlage vom Netz zu nehmen.

Grüne: Probleme mit Krümmel nicht im Griff

Umweltverbände und die Grünen forderten unterdessen die endgültige Stilllegung des Atommeilers an der Elbe. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Detlef Matthiessen, warnte, die Atomaufsicht dürfe den Vorfall nicht verharmlosen. "Der größte Siedewasserreaktor der Welt ist und bleibt eine Risikotechnologie, die wir uns nicht leisten können", sagte er. Die Fraktionsvorsitzender der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, betonte, "offenbar hat Vattenfall die Probleme in dem störanfälligen Meiler nicht im Griff". Atomkraftgegner riefen für Freitag zu einer Mahnwache und Blockade am AKW Krümmel auf.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte die Atomaufsicht am 19. Juni das Wiederanfahren der Anlage genehmigt. Davor war der Reaktor nach einem Transformatorbrand und einem dadurch verursachten Störfall ab dem 28. Juni 2007 sowie mehrerer Pannen knapp zwei Jahre lang vom Netz.