Pannenserie

AKW Krümmel nach neuem Störfall wieder vom Netz

Nach einem neuen Störfall steht das Atomkraftwerk Krümmel seit Samstagmittag wieder still. Die gerade wieder hochgefahrene Anlage im schleswig-holsteinischen Geesthacht ging Samstagmittag um 12.02 Uhr per Reaktorschnellabschaltung vom Netz.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht/Kiel (ddp/red) - Ursache war laut Betreiber Vattenfall Europe eine Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren des Kraftwerks. Die Anlage befinde sich "in stabilem Zustand, die Stromversorgung des Kraftwerks erfolgt zurzeit über das Fremdnetz".

Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht wurde entgegen ersten Angaben nicht vom Betreiber, sondern vom Lagezentrum des Innenministeriums über den "Störfall" informiert. Wie das für Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerium unter Berufung auf Vattenfall mitteilte, kam es durch den Defekt am Trafo zu einer Unterspannung an zwei von vier Eigenbedarfsschienen des Kraftwerks. Die Atomaufsicht schickte Sachverständige zur Ursachenklärung in die Anlage. Erhöhte Radioaktivität ist den Angaben zufolge nicht freigesetzt worden.

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) sagte, angesichts der Ereignisse im Zusammenhang mit dem Wiederanfahren habe sie eine "erneute Zuverlässigkeitsprüfung des Betreibers veranlasst". Sie fügte hinzu: "Vattenfall ist jetzt in der Pflicht, weitreichende Konsequenzen aus dem jüngsten Störfall zu ziehen." Dies habe sie Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka "unmissverständlich deutlich gemacht".

In Hamburg kam es kurz nach der Reaktorschnellabschaltung zu einem Spannungsabfall im Stromnetz. Davon waren im gesamten Stadtgebiet 1500 der insgesamt 1800 Ampeln betroffen. Wie ein Sprecher des Lagezentrums der Polizei sagte, ereignete sich der Ampelausfall um 12.10 Uhr. Zu schwerwiegenden Unfällen sei es nicht gekommen. Nach Angaben von Vattenfall waren am Nachmittag bis auf 50 Ampeln wieder alle Anlagen in Betrieb. Betroffen waren auch einige Einkaufszentren sowie die Stahl- und Aluwerke. Auch in Kiel fielen am Samstag zahlreiche Ampeln aus. Der Großteil von ihnen war nach Polizeiangaben am Abend wieder in Betrieb.

Das AKW war erst am Mittwochnachmittag heruntergefahren worden. Grund war ein von einem Mitarbeiter fälschlicherweise von Hand geschlossenes Notventil an einem Eigenbedarfstransformator. Durch den dadurch bedingten Ausfall des Transformators wurde nach Vattenfall-Angaben eine Turbinenschnellabschaltung ausgelöst. Ab Mittwochabend lief der Reaktor deshalb zunächst nur mit halber Leistung. Seit Freitagabend hatte Vattenfall die Leistung des Atommeilers aber wieder gesteigert.

Rund 120 Atomkraftgegner protestierten am Freitag in Geesthacht gegen die weitere Nutzung des AKW. Umweltverbände und Grüne fordern wegen dessen Störanfälligkeit vehement eine Stilllegung des umstrittenen Reaktors an der Elbe. "Nach zwei Jahren Reparatur und Überprüfung des Reaktors in Krümmel gab es drei Pannen in den ersten 14 Tagen", sagte Greenpeace-Atomkraftexperte Mathias Edler. Die Reaktorschnellabschaltung am Samstag sei "aufgrund bisher nicht erkannter, aber offenbar gravierender Sicherheitsprobleme" geschehen.

Erst am 19. Juni hatte die Atomaufsicht die Wiederinbetriebnahme des Reaktors nach fast zweijährigem Stillstand genehmigt. Davor war die Anlage nach einem Transformatorbrand und einem dadurch verursachten Störfall ab dem 28. Juni 2007 sowie mehrerer Pannen knapp zwei Jahre lang vom Netz.